Lujah!

KLACK!

„lujah, Hallelujah, Hallelujah, Halleluhuuujaaaah!“

„Phantastisch!“, raunt der Moderator, „Alles nur mit dem Mund!“

„Hallelujah,“ denke ich,“womit denn sonst?“, und drehe mich noch mal um.

Pünktlich zur Saison wurde Hallelujah neu aufgelegt, a capella dieses Mal, die Sender haben zugeschnappt, und jetzt werden wir bis zum Dreikönigstag damit berieselt. Mindestens!

Leonard Cohens Erben wird es freuen. Leise rieseln die Tantiemen. Wer hätte auch gedacht, dass sich das eher brummselige Original so vielseitig wiederverwerten lässt, wenn man es ein paar Oktaven anhebt? Die Mitte ist ja schon ein Bisschen Sadomaso. Und war Leonard Cohen nicht Jude?

Warum machen die das überhaupt? Fällt den Musikern nichts eigenes ein? Und die Sender?  Warum spielen die immer das selbe? Wenn a capella gerade angesagt ist, könnten die doch zur Abwechslung auch was anderes spielen: Gummibaum, Sternendeuter oder ein neues Weihnachtslied. Warum kommen eigentlich so viele gute Musiker ausgerechnet aus Hannover?

Wie viele Hallelujahs sind eigentlich nötig um ein „Last Christmas“ aus dem Programm zu kicken? Das wird es sein: Die große zionistische Anti-Wham-Verschwörung! Hallelujah!

Geisterhaltestelle

steinwegGestern auf dem Weg zur Bahn. Geisterhaft leuchtet das Wartehäuschen im Gegenlicht. Ich glaube, das Foto muss ich noch mal machen, mit der richtigen Kamera. Denn hier offenbart sich Vor- und Nachteil des Tippeldings in einem Bild.

Vorteil: Immer zur Hand

Nachteil: Schärfenebene nicht frei wählbar.

 

Auflösung zu vorgestern, merkt ihr was? Es war die Nikon, nicht das Handy.

Achtung Anfänger!

„Seid ihr nicht genervt, wenn ihr mit mir üben müsst?“

„Ich habe das Gefühl, ich halte den Betrieb auf.“

Nein, sind wir nicht, nein tust Du nicht. Wir haben alle so angefangen. Wir wechseln ständig die Partner, so dass wir mit vielen unterschiedlichen Menschen üben können. Nur die ganz blutigen Anfänger sollten nach Möglichkeit die ersten Stunden nicht miteinander üben.

Wenn ich mit jemandem übe, der viel weniger Erfahrung hat als ich, muss ich viel mehr reflektieren, was ich da eigentlich mache und wie ich es korrekt mache. Muss mich auch an einen überhaupt nicht perfekten Angriff anpassen. Gleichzeitig muss ich darauf achten, wie mein Partner es besser machen kann. Das ist für mich auch eine gute Übung. Jemand, der viel weiter ist als ich, wird sich mir gegenüber genau so verhalten.

Ich habe in einem anderen Lehrsystem angefangen, bei dem in manchen Vereinen die Gleichrangigen miteinander genau die Aufgaben für Ihre nächste Prüfung geübt haben und nichts anderes. Dadurch kamen sie relativ flott durch die ersten Prüfungen, weil sie rein mechanisch immer dieselben Bewegungsabläufe abgearbeitet haben. Und ich behaupte jetzt mal: Wir wussten nicht was wir taten und warum. Besser war das bestimmt nicht, wenn sich zwei Ahnungslose miteinander abmühten. Tatsächlich ist es mit einem erfahrenen Partner einfacher zu lernen, wie reiten lernen auch mit einem alten, erfahrenen Gaul einfacher ist und ein junges Pferd von einem unerfahrenen Reiter eher verdorben wird.

Also, liebe Anfänger, macht Euch mal keinen Kopp. Das hat schon alles seine Richtigkeit.

Dabei fällt mir ein: Ich habe selbst vor drei Jahren noch gedacht: „Ob der sich nicht unterfordert fühlt, wenn er mit mir übt?“

Fortschritt durch Rückschritt?

Anfang des Jahres habe ich im Aikido jede Menge Frust geschoben, denn obwohl ich viel und regelmäßig geübt habe, schien ich überhaupt keine Fortschritte mehr zu machen. Vor Allem mit dem Angriffsverhalten, dem Ukemi, kam ich auf keinen grünen Zweig und immer die selben Fehler wurden bemängelt. Im Kenjutsu, das ich ja erst in Köln begonnen habe, kam ich langsam, aber stetig voran.

Und dann kam mir ja der Trümmerbruch des Handgelenks dazwischen. Krankengymnastik statt Kampfsport und auch anderes viel einfach aus. Radfahren, Gartenarbeit… monatelang ging nichts mehr.

Damit mir hier nicht die Decke auf den Kopf fiel, bin ich ab und zu beim Aikido zugucken gegangen, habe Filmchen mit dem Handy gedreht und mich beim zusehen auf Leute konzentriert, deren Ukemi* besonders gut ist. (Abgucken fällt mir allerdings schwer, ich bin der auditive Lerntyp, dafür kann ich denn japanisch zählen und wundere mich, dass es alle anderen nicht können)

Eines Abends Ende September saßen wir bei Sylvia zusammen und es hieß: „Wann machst Du wieder mit?“ Das Handgelenk war noch empfindlich und nicht wirklich beweglich und so hatte ich noch Schiss vor gewissen Hebeln wie Kote Gaeshi* oder Nikkyo*. „Und wie wäre es, wenn Du erstmal nur zum Kenjutsu* kommst?“ Da liegt doch der Griff des Bokken* genau auf der Narbe und die ist noch schmerzempfindlich.

Gleichzeitig hatte ich aber  das Gefühl, dass die Krankengymnastik mich nicht mehr weiter bringt. Die Muskeln im linken Arm waren stark abgebaut. Im Spiegel sah ich: Iiiihhh! Winkefleisch! Der Rest geriet auch langsam aus der Form. So geht das nicht. Also habe ich spontan entschieden, die Krankengymnastik möglichst schnell durch Kenjutsu und/oder Aikido zu ersetzen. Ich habe mir also ein Schwert genommen und ein paar Grundschläge probiert und natürlich war die Narbe schmerzhaft im Weg. Blöd, das!

In der Nacht dann hatte ich eine Eingebung: Einen linken Fahrradhandschuh raus gekramt (wieso habe ich eigentlich mehr rechte als linke?) und nochmal probiert. BINGO!

Samstags habe ich dann brav gefragt, ob ich zum Kenjutsu einen Handschuh tragen darf und dann mit Handschuh bewaffnet mit geübt. Das ging erstaunlich gut, nur wenn ein starker Impuls das Schwert trifft, merke ich das im Narbenbereich. Nach der ersten Stunde hatte ich zwar das große Zittern im Arm, aber mittlerweile nicht mehr.

Aikido hat noch seine Tücken. Nicht unbedingt da, wo ich sie erwartet habe, bei Hebeln, die Fortgeschrittenen dosieren das sehr geschickt. Aber ich kann mich noch nicht mit der Hand am Boden abstützen und nicht abschlagen. Also muss ich etwas improvisieren um auf den Boden zu kommen. Auch bitte ich die Angreifer, am linken Handgelenk nicht zuzufassen, sondern nur Kontakt zu geben. Das klappt soweit ganz gut.

Seitdem übe ich wieder, vorsichtig, nicht so oft und immer nur eine Stunde und hatte eine Reihe von Erfolgserlebnissen, bei Übungen, die jetzt wieder klappen, und einige Erste Male.

Das erste Mal wieder Kenjutsu, das erste Mal wieder Aikido, das erste mal wieder einigermaßen vernünftig auf den Boden kommen. Neulich hat mich der Meister sogar gelobt, bei einer Übung für Uke*.

Gestern gab es drei erste Male:

Im Kenjutsu gibt es eine Kata*, bei der  ich das Schwert am ausgestreckten Arm halten muss. Das ging vorige Woche noch gar nicht. Die Woche über habe ich ab und zu mein Bokken in die Luft gehalten und gestern konnte ich das zum ersten Mal wieder.

Dieselbe Kata habe ich, die ich sie schon kannte, zum ersten Mal mit einem Partner, der sie noch nicht kannte, selbständig erarbeitet, ohne dass der Meister eingreifen musste.

Und schließlich habe ich zum ersten Mal wieder am Samstag beide Stunden: Kenjutsu und Aikido geübt.

Es geht voran.

 

*Wasndas?

  • Aikido – japanische Kampfkunst
  • Bokken – Übungsschwert aus Holz
  • Kenjutsu – Schwertkampf
  • Kata – Vorgeschriebene Form einer Übung
  • Uke – Angreifer
  • Ukemi – Angriffsverhalten
  • Kote Gaeshi – Handgelenks-Beuge-Wurf
  • Nikkyo – zweite Haltetechnik (ein Handgelenkshebel)