An der Ostseeküste


Gelting Mole

Der Plan war: Mit dem Zug und Bus nach Holnis  zu fahren, mein Rad zu holen und es von Flensburg nach Hamburg zu überführen. Bei grauem Himmel war ich in Hamburg losgefahren, auf Holnis brannte die Sonne. Ein guter Grund den Plan sofort zu ändern und ein Teilstück des Ostseeküsten-Radwegs zu befahren, das ich noch nicht kannte.

Auf dem kleinen Noor wimmelte es von Graugänsen. In den vier Tagen in denen ich nicht dort war, hat sich ihre Zahl bestimmt verdreifacht. Auch die kleinen Kälber sind sichtbar gewachsen.

Der Ostseeküsten Radweg führt von Flensburg über Rügen bis zum Seebad Ahlbeck auf Usedom an der Grenze zu Polen, das sind ca 980 km. In Flensburg angrenzend gibt es auch einen Dänischen Ostseeradweg 650 Km von Sønderburg bis Skagen.

Durch die hügelige Landschaft Angelns führt der Weg auf zum Teil schotterigen, sandigen Pisten und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf die Ostsee. Die Hügel sind nicht zu unterschätzen. Wer geglaubt hat, Norddeutschland wäre flach, wird hier eines besseren belehrt. Auch gibt es interessante Immobilien zu kaufen.

demnächst mein Zweitwohnsitz?Hinter Gelting lohnt es sich von der offiziellen Route abzuweichen und durch das Naturschutzgebiet Geltinger Birk zu fahren. Ich nutzte die Gelegenheit ein wenig mit dem „Kollegen“ zu fachsimpeln. Im Gegensatz zu der Info-Hütte auf Holnis ist die in der Birk wirklich etwas abgelegen.

Blick von der Info-Hütte in der Geltinger Birk

Weiter geht es bis Kappeln an der Schlei. Sehenswert hier ist die Nikolaikirche, der Fischereihafen und die Klappbrücke, die stündlich für Boote geöffnet wird. Leider hat Kappeln keinen direkten Bahnanschluß mehr und die Altstadt verlor in den 70er Jahren wertvolle Bausubstanz, die im Erneuerungswahn durch Betonbauten ersetzt wurde.

Auch hier lohnt es sich, kurz von der offiziellen Strecke des Ostseeküsten-Radwegs abzuweichen und nach Arnis zu fahren. Die mit 0,45 km² kleinste Stadt Deutschlands ist auf einer Insel gelegen und besitzt nur eine Straße.

Um Arnis und Eckernförde herum wird die Serie „Der Landarzt“ produziert und an fast jedem Gebäude an dem einmal eine Kamera vorbeigerollt wurde weist darauf hin. So gibt es eine „Landarzt-Kneipe“, eine „Landarzt-Kirche“, eine „Landarzt-Mühle“, vielleicht gibt es sogar einen eine „Landarzt-Schweinestall“.

Mit der Schlei ist auch die Grenze von Angeln nach Schwansen überschritten. Die Hügel bleiben, aber die Felder sind wesentlich größer. Gerade wird Raps geerntet mit Mähdreschern, die riesige Staubfahnen hinter sich herziehen. Auch riecht es unangenehm nach Kohl. So hübsch die Rapsfelder im Frühjahr auch aussehen – die Subventionierung von Raps und Mais für Biosprit bringt erhebliche Probleme für die Artenvielfalt mit sich.

Damp ist noch viel scheußlicher als ich es mir vorgestellt habe. Auch finde ich die Strecke von Damp nach Eckernförde ziemlich langweilig. Hier zieht sich der Ostseeküsten-Radweg schnurgerade an einer befahrenen Straße entlang eingerahmt von riesigen Raps und Weizenfeldern.

Eckernförde hingegen ist wieder sehenswert. Die schmalen Altstadtgässchen und der Hafen laden zum Bummeln ein und es gibt einen Kilometerlangen Sandstrand, an dem sich – mitten unter den Badegästen – auch ein Seehund sonnt.

Anfahrt: Mit der Bahn bis Flensburg oder Eckernförde

Übernachten:

  • zahlreiche Hotels, Privatunterkünfte und Campingplätze entlang der Strecke. Besonders fahrradfreundlich sind Gastbetriebe, die im  Bett&Bike Verzeichnis stehen.
  • Jugendherbergen in Flensburg, Kappeln und Eckernförde


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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Radtouren.

3 Kommentare zu “An der Ostseeküste

  1. fjonka sagt:

    das wird ja ein Reiseführer hier 😉
    dann will ich mal meinen Teil dazu beitragen und auf die Dampfeisenbahn hinweisen, die von Kappeln nach Süderbrarup und zurück durch wunderbare Landschaft und seit Jahren knapp an der Pleite vorbeidampft – lohnt sich!!
    Allerdings finde ich persönlich schöner, die Fahrtzeiten so zu wählen, daß man in Süder losfährt und seinen Aufenthalt bis zur Rückfahrt in Kappeln hat – rund um den Süderbraruper Bhf läßt sich die Zeit bis zur Rückfahrt nur mit viel Mühe einigermaßen nett vertreiben …

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