Bonjour tristesse


Die Kehrseite des Baggerlochs: Konrad-Adenauer-Siedlung, alias Neubrück Anfang der 70er aus dem Boden gestampft.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Köln.

Ein Kommentar zu “Bonjour tristesse

  1. Perezoso sagt:

    Ich bin in Neubrück aufgewachsen.
    Als Kind fand ich Neubrück immer sehr schön, heute ist das nicht mehr der Fall.

    Das Interessante an der Siedlung ist ihre Infrastruktur: im Zentrum gibt es keine störenden Straßen, sondern eine weitläufige Fußgängerzone. Trotzdem erreicht man beinahe jeden Ort auch gut mit dem Auto, da der Neubrücker Ring auf der einen Seite und der Europaring auf der anderen, das Zentrum ringförmig umschließen. Das macht Neubrück eigentlich sehr attraktiv für ältere Menschen. Nicht umsonst ist Neubrück demographisch gesehen einer der ältesten Stadtteile Kölns – was aber auch an dem Altenwohnheim liegen mag.

    Früher haben meine Eltern mich den ganzen Tag draußen spielen lassen. Ich bin viel mit dem Fahrrad gefahren und musste keine Angst vor dem Verkehr haben. Heute würde ich Kinder nicht mehr alleine durch Neubrück streifen lassen, denn die Gegend wird zunehmend gefährlicher.

    Die Jugendlichen, die vor allem am Wochenende die ganze Nacht über Radau auf dem Marktplatz machen und tagsüber die Leute anpöbeln, werden von vielen Neubrückern, vor allem von den älteren Bungalowbewohnern im Zentrum als großes Problem angesehen. Die schützende Fußgängerzone wird hier zum Verhängnis, da sie den teilweise randalierenden Jugendlichen auch Schutz vor der Polizei bietet. Wie oft sehe ich, wie sie in alle Richtungen davon laufen, wenn der Polizeiwagen mit Blaulicht angefahren kommt.

    Vielleicht ist es naiv, aber ich denke, dass die Jugendlichen, die aus Ostheim, Vingst und Merheim abends nach Neubrück kommen um sich auf dem Marktplatz zu treffen, sich vielleicht, wenn auch unbewusst, einfach nur in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit stellen wollen, um auf ihre Frustration aufmerksam zu machen. Nicht umsonst provozieren sie und pöbeln. Vielleicht fehlt ihnen einfach nur die Fähigkeit diese Frustration in einer verständlichen Form zu artikulieren und zu politisieren, wie es momentan überall auf der Welt geschieht – auf den öffentlichen Plätzen, im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit.

    Obwohl ich die Jugendlichen in Neubrück nicht pauschal verurteile und ihre Situation auch irgendwie nachvollziehen kann, bin ich doch ganz froh, mittlerweile in Rath-Heumar zu wohnen. Es ist nicht weit weg von Neubrück, aber doch ganz anders.

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