Das Grauen


Die 1907 errichtete Deutzer Drehbrücke, besteht aus genietetem Stahlfachwerk. Als Kind hatte ich so überhaupt keinen Sinn für dieses schöne technische Denkmal. Denn hinter dieser Brücke erwartete mich das Grauen.
DSC_3356
Ich überschritt sie, wie eine Verurteilte beim Gang zum Schafott. Der Weg über die Brücke führt zu den Poller Wiesen. Heute: Liegewiese, Spazierwiese, Hundeauslauf, Joggingstrecke, Drachensteigeplatz, (illegales) Badegelände für viele Kölner. Damals: meine Richtstätte.
DSC_3350
Das Grauen hatte einen Namen: BUNDESJUGENDSPIELE!
War es nicht genug im normalen Sportunterricht verspottet zu werden? Musste meine körperliche Unfähigkeit auch noch auf einer sportlichen Großveranstaltung öffentlich zur Schau gestellt werden?
Doch dann…
DSC_3347
Lässig abwinkende Schüler kamen mir entgegen. „Fällt aus!“
Ein Häuflein verwirrter Sportlehrer stand auf dem Damm und starrte auf eine glitzernde Wasserfläche. Vater Rhein war mal eben, plötzlich und unerwartet über die Ufer getreten und hatte meine öffentliche Hinrichtung verhindert.
Plan B: zurück zur Schule, gab es nicht, denn die Fachlehrer hatten frei.
Also mussten sie uns ziehen lassen. Es gab Schulfrei, Kartenspiele, Sauerbraten und einen Wettbewerb im Kirschkernzielspucken, in dem ich gar nicht so übel abschnitt.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Das Grauen

  1. Treibgut sagt:

    … netter Beitrag! Ich erinnere mich nur noch sehr dunkel an die Bundesjugendspiele.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.