Moin, Moin!


Eigentlich wollte ich heute etwas anderes posten aber die Fjonka hat in ihrem Blog nach den kulturellen Unterschieden beim Grüßen und Kennenlernen gefragt. Nun bin ich ja auch ein bisschen rumgekommen, so dass meine Antwort länger ausfiel als geplant.  Deshalb lieber gleich hier:

Kind der Liebe: Kanadagans X Hausgans

Kind der Liebe: Kanadagans X Hausgans

1.Man nehme: eine Kneipe mit Vierer oder Sechsertischen, an jedem Tisch sitzt eine Person.

HAMBURG: Die Kneipe ist voll!! Sollte es jemand wagen, sich dazu zu setzen ist es ein Tourist. Der Eingeborene sieht sich ungemütlich um und wenn ein Platz (ein Tisch) frei wird, setzt er sich weg.

KÖLN: Die Kneipe ist 3/4 (oder 5/6) leer. „Ohnööö“ dat is mir hier zu unjemütlich, komm, mir setzen uns do dabei!“ Sind alle Tische besetzt: „Dann stohnn mer eben.“

SAARBRÜCKEN: Die Kneipe ist 3/4 (oder 5/6) leer. „Eii! Do is doch noch Platz!“ Sind alle Tische besetzt: „Eii! Do passe doch noch sechs Stühl ran.“

2. Rad fahren, wandern oder so:

KÖLN: Nicht bremsen!!! Du wirst sofort angequasselt, meist mit mehr oder weniger sinnfreien Sprüchen.

Z.B. vorgestern da musste ich im Klinikum Merheim halbstündig in so ein Röhrchen pusten, dazwischen hatte ich frei. Ich guckte mich also im Park um nach einem ruhigen Leseplatz, da schallt es schon: „Soll ich Ihnen suchen helfen???“

Nachmittags habe ich eine Kleine Radtour gemacht und angehalten um mir ein interessantes Gebäude näher anzusehen. „Sie sehen so erschöpft aus!!!“

3. Nach dem Weg fragen:

RHEINLAND, MÜNSTERLAND etc. “ Du bekommst in jedem Fall eine Antwort. Aber Vorsicht: Die Richtung könnte nicht stimmen.“

MECKLENBURG-VORPOMMERN: „Entschuldigung, Kennen Sie sich hier aus?“ Der Mecklenburger tritt einen großen Schritt zurück: „Warum??“

HAMBURG: Du wirst ignoriert.

4. Fahrrad-Karte gucken, bzw. umblättern:

ÖSTLICHES SH aber auch RHEINLAND, MÜNSTERLAND . Du bekommst ungefragt eine Auskunft, wo du lang fahren sollst. Dabei wird dir der Weg zur nächsten Bundesstraße gewiesen, den du ganz bestimmt nicht nehmen willst. „Nee, ich fahre hier lang, bis Büsum.“ „Da lang, bis Büsum??? Das schaffen Sie NIE!!!“

5. Grüßen:

KÖLN-RATH: Die Nachbarn MÜSSEN gegrüßt werden. Wehe wenn nicht! Verfeindete Nachbarn dürfen nicht gegrüßt werden. (Mir war nie ganz klar, mit wem meine Mutter gerade verfeindet war.) Fremde dürfen so lange ignoriert werden, bis sich herauskristallisiert, dass es Nachbarn sind. Aber besser man grüßt.

KÖLN-CENTRUM: Zu voll um jeden zu grüßen.

HAMBURG: Die nächsten Nachbarn dürfen gegrüßt werden. Also die, die im selben Haus wohnen.

HOLNIS: “Moin!“, “Moin!“, „Wohnen sie hier? Ist das nicht ein Bisschen einsam?“ … “Moin!“, “Moin!“, „Wohnen sie hier? Ist das nicht ein Bisschen einsam?“ … “Moin!“, “Moin!“, „Wohnen sie hier? Ist das nicht ein Bisschen einsam?“… “Moin!“, “Moin!“, „Wohnen sie hier? Ist das nicht ein Bisschen einsam?“…

6. Kennen lernen:

KÖLN, SAARBRÜCKEN. Setz Dich einfach ruhig irgendwo hin. Das Betreten fremder Wohnungen ist ausdrücklich erwünscht.

HAMBURG: Das Betreten fremder Wohnungen ist ausdrücklich nicht erwünscht. Wenn man sich nach mehreren Jahren mal verabredet, dann in einem Café oder so. Nach 20 Jahren Hamburg vermute ich, dass sich Hamburger durch Knospung und Zellteilung vermehren.

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6 Kommentare zu “Moin, Moin!

  1. Fjonka sagt:

    *lol*
    aber daß im östlichen SH beim blättern in einer Karte ungefragt Wegbeschreibungen vergeben werden, halte ich für undenkbar. Da könntest Du natürlich an rheinische Touristen geraten sein. Oder unterfränkische 😉

  2. Fjonka sagt:

    Ach so, das mit der Kneipe *lol*
    bei uns wird es SEHR befremdlich gefunden, setzt man sich mit an einen Tisch, obwohl noch Tische frei sind. Sind allerdings alle Tische besetzt, ist es absolut ok, sich mit ran zu setzen, allerdings ist es trotzdem SEHR verwegen, zu meinen, daß man mit den bereits am Tisch befindlichen Menschen nun über das „Könnte ich mich bitte da mit dazusetzten?“ hinaus Kontakt aufnehmen sollte. Unbedingt so tun, als säße man allein am Tisch – außer der „Tischeigner“ signalisiert Interesse.
    Übrigens bin ich da ganz konform, schließlich möchte ich mich ja mit meinen MITGEBRACHTEN Tischgenossen unterhalten, wenn ich weggehe, nicht mit Irgendwem. Meistens jedenfalls. Hier geht man ja auch eher selten allein in eine Kneipe, fast immer sitzen also an jedem deiner fiktiven Tische schonmal mindestens zwei Menschen.

  3. […] nach Hamburg, von Hamburg nach Holnis von Holnis nach Hamburg, von Hamburg nach Köln. (näheres hier) Immer wieder neu anfangen, neue Leute, neue Umgebung, erstmal fremd […]

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