DAS GELBE VOM EI


Früher hat es geheißen: Kinder soll man sehen, aber nicht hören. Die Zeiten sind zum Glück vorbei. In meiner Generation war das nicht mehr so. Dennoch haben wir noch gelernt, Rücksicht auf andere zu nehmen und bestimmte Ruhezeiten einzuhalten. (Ja, ich weiß noch, dass ich mal Kind war) Und was ist so schlimm daran, auch einmal leise Spiele zu spielen oder zu lesen? Heute heißt es: Kinder müssen Lärm machen um sich gesund zu entwickeln und alle anderen müssen jederzeit darauf Rücksicht nehmen, sonst heißt es gleich: Hast Du was gegen Kinder?  Gleichzeitig ist aber auch die Anzahl der Menschen gestiegen, die zum Beispiel Schicht arbeiten. Nun nehmen wir mal an, Du arbeitest in der Spät- oder Nachtschicht und musst vormittags oder tagsüber schlafen… Da solltest Du schon Deinen Wohnort mit Bedacht wählen, eben nicht über einer Kita oder Schule, denn die Lütten müssen ja lärmen, damit sie sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln, die dann die ganze Straßenbahn mit ihren Privatgesprächen unterhalten.

Als Schichtarbeiterin solltest Du auch darauf achten, nicht in der Nähe einer Kirche oder eines Standesamtes zu wohnen, wo alle paar Minuten eine hupende Karawane vorbeizieht. Was für das Brautpaar ein einmaliges Ereignis ist, ist für die Anwohner eine nervenzerfetzende Dauerbelastung.

Egal, nun wohne ich hier ja relativ ruhig in meiner Flughafeneinflugschneise, an der Hauptstraße, zwischen drei Autobahnkreuzen, aber immerhin ohne Kita und Standesamt.

Aber

„DAS GELBE VOM EI…“

„leckerleckerLECKERLECKERLECKERlecker“

„Was macht die Kuh? QUAAAK!“

Kinder schreien auf einer Frequenz, die bei normalen Erwachsenen als Alarmsignal wirkt. Das hat die Natur so eingerichtet. Denn eigentlich ist SCHREIEN ein Signal höchster Not. Der Erwachsene gerät umgehend in Stress wegen dieses Notsignals. Und das wissen unsere lieben Werbetreibenden ganz genau. Und so nutzen sie diese Alarmsirene um Erwachsenen ihre Werbebotschaft einzubläuen. Und je näher der angebliche Geburtstag eines aramäischen Wanderpredigers rückt, um so mehr kreischende Kinder bevölkern mein Schlaf-Arbeitszimmer. Nein, die sind nicht süß, die nerven!

Liebe Werbenden: Ich werde garantiert keins dieser mit SCHREIENDEN Kindern beworbenen Produkte kaufen. Ich weiß, dass ich sie dadurch nicht rette.

Übrigens spielen costaricanische Kids nahezu lautlos Fußball. Ich habe mich immer gefragt, wie die das schaffen.

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