Telefonitis


Bei manchen Leuten bin ich ja als bekennender Telefonmuffel verschrien.

Das kam so: Es gibt eine Geschichte von Ephraim Kishon in der er beschreibt, dass immer, wenn er unter der Dusche steht und sich den Rücken einseift, das Telefon klingelt. Wenn er also auf einen dringenden Anruf wartet, stellt er sich inzwischen unter die Dusche, seift sich den Rücken ein und schon bimmelt das Telefon. „Stimmt doch  gar nicht“, sagt ein Leser, „ich stehe schon seit Stunden unter der Dusche…“ Kishon seufzt und wischt sich den Schaum vom Rücken.

Genau so ging es mir. Das Telefon klingelte immer zur Unzeit. Gerade mitten am kochen: BIMMELLIMM! (Kannst Du mal eben arbeiten kommen?) Den ersten Bissen aufgegabelt: BIMMELLIMM! (Wir haben ein TOLLES Angebot für Sie!) Ein Schäferstündchen mit dem Liebsten: BIMMELLIMM! (Mama ruft an) Gerade zu Bett gegangen: BIMMELLIMM! (Der Telefonanierer möchte, dass ich meinen Körper beschreibe)… Der Anrufbeantworter zum Reinhören war eine große Erleichterung, was den Telefonanierer und Mama anging, für die berufliche Dauererreichbarkeit war das Handy zuständig und Mama und andere Privatpersonen hatten Handyverbot. In einer Zeit, in der jeder ständig mit dem Handy am Ohr rumlief. Die neuen Smartphones werden ja eher gestreichelt.

Das trug mir den Ruf als Telefonmuffel ein.

Dem entsprechend dachte ich auch, dass ich andere auch zur Unzeit erwische und rufe deswegen auch eher selten an. Die E-Mail wurde für mich erfunden!

Und jetzt muss ich genau das: Telefonieren. Mit Behörden, Versicherungen, Versicherungsvertretern, Energieversorgern, Telecom, Flughafen, Krankenkasse, Wachdienst, Haushaltsauflösern…  Jeden Morgen ein paar Telefonate, das hält fit, das macht Freude…

Meiner Veranlagung entsprechend, versuche ich es zunächst über die Internetseite. Dort treffe ich ein Auswahlmenü, in dem mein Anliegen nicht vorgesehen ist. War diese Auskunft für sie hilfreich? Nein! Dann rufen sie unsere kostenlose Hotline an.

Mach ich. Ufftatta … Ufftatta … Ufftatta … Leider sind alle unsere Serviceplätze belegt, bitte haben sie etwas Geduld… Ufftatta … Ufftatta … Ufftatta … Leider sind alle unsere Serviceplätze belegt, bitte haben sie etwas Geduld… Ufftatta … Ufftatta … Ufftatta … Leider sind alle unsere Serviceplätze belegt, bitte rufen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an.

In der Zwischenzeit versuche ich eine andere kostenlosen Hotline: Kollege Computer geht ran: Guten Tag. … Möchten Sie Dings? … Dann drücken Sie die 1 … Möchten Sie Bums? …Dann drücken Sie die 2 … Möchten Sie XY? … Dann drücken Sie die 3…

Ich möchte mit einem Menschen sprechen, denn nichts von der Auswahl betrifft mein Anliegen! Das ist in den Hotlines aber soo nicht vorgesehen. Ich kreisch gleich!

Meistens findet sich nach längerem Suchen auf der Internetseite ganz hinten unten irgendwo doch noch eine Mailadresse verborgen. Die nehme ich dann und irgendwie, obwohl wer auch immer die Post liest ganz bestimmt nicht im Auswahlmenü vorgesehen ist, wird diese Mail dann an die richtige Stelle weitergeleitet.

Es gibt Ausnahmen: Firmen, die sich noch freundliche Mitarbeiter leisten, die sofort weiter helfen. „Meine Mutter hatte diesen Treppenlift, der steht jetzt massiv im Weg.“ „Achja, dann holen wir den morgen kostenlos ab.“ DANKE DAFÜR!

 

 

 

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5 Kommentare zu “Telefonitis

  1. Fjonka sagt:

    Über die Hotlines, wo man ERST ewig wartet und DANN doch rausgeschmissen wird könnte ich mich auch stundenlang aufregen. Entweder oder, bitte!
    Ansonsten habe ich ja nicht so ein Problem mit Behördentelefonaten, und beim Rest regelt’s der AB – mog i net, dann ruf i spöäter z’ruck 😉

    • Bibo59 sagt:

      Ich habe ja jetzt, bei T-Offline leider keinen AB mehr zum reinhören, sondern eine Mailbox, die dann irgendwann anruft, wenn jemand drauf gesprochen hat, sowie eine Anzeige der verpassten Anrufe. Und dann gibt es diese Werbefuzzis die nachts einmal klingeln lassen, damit ich morgens zurückrufe. Das reicht, damit ich senkrecht im Bett stehe! Allerdings erst, seit ich wegen meiner Mutter rund um die Uhr erreichbar sein musste. Früher habe ich da drüber weg gepennt. Und ich finde auch bei diesem Telefon nicht die Einstellmöglichkeit, die es Nachts stumm schaltet. Gab es beim alten.

  2. Machiste sagt:

    toll, du bist nicht allein!

  3. Ich bin auch ein Telefonhasser, beruflich ist es ok aber sonst. Für MICH sind Mail und sms erfunden worden (kicher). Das Smartphone ist für mich eher ein Minicomputer als ein Gerät zum telefonieren, ich verbrauche kaum ein Viertel meiner Freieinheiten und die meist auch durch sms-e.
    Hotlines die nicht das bieten was ich suche trickse ich aus indem ich dann irgendwas drücke, aber ich bevorzuge auch die Variante….“irgendwo muss doch eine Emailadresse versteckt sein“…manchmal nehme ich einfach die aus dem Impressum, die geht immer.
    Um es auf den Punkt zu bringen….nein Du bist nicht alleine…

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