Auf ein Eis nach Königswinter

Die Tage werden schon deutlich kürzer, am Monatsende heißt es wieder: 18.00 Licht aus! Also noch einmal das schöne Wetter und das Tageslicht ausnutzen.

P1000590Nach der Radreise ist vor der Radreise. Für April des nächsten Jahres ist ein internationales Bookcrossing-Treffen In Mainz angesagt. Kann man ja von Köln aus mit dem Rad hinfahren. Und eigentlich gibt es da nichts zu planen: De Rhing erop – Treffen – De Rhing erav – fertig.
Nur schlägt mir sowohl Komoot, als auch der Radroutenplaner NRW eine Abkürzung vor von hier bis zur Siegmündung. Warum tun se das bloß? Also habe ich das mal ausprobiert.

Nur wenig nachbearbeitet und los geht’s! Durch’s Dorf und an der Mülhens Mauer entlang bis zum Gut Leidenhausen.
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Ich betrachte das Rotwild und besuche die Greifvogelschutzstation. Es sind nur wenige Vögel dort, und die haben sich in den Schatten verzogen. Nur ein Mäusebussard sitzt in der Badewanne.

Wir müssen leider draußen bleiben.


Über Elsdorf führen die mich an der Straße lang nach Wahn, wo ein Monster auf mich wartet.

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Wo ist das Monster?

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Pareidolie Burg Wahn

Der Park mit den schönen Bäumen kann leider nicht besichtigt werden, und im Theatermuseum war ich noch immer nicht.
Hinter Wahn geht es zurück auf die Straße.

Bildschirmfoto 2018-09-17 um 10.09.00 Hier bin ich übrigens für ein Kurzes Stück auf dem Rheinradweg D8. Er ist nicht ausgeschildert. Nicht ein Bisschen!  Der merkwürdige Bogen, den der Fernweg hier beschreibt, scheint der Tatsache geschuldet, dass Wahn einen S-Bahnhof hat.
Hätte man auch eleganter lösen können, zum Beispiel mit einen ausgeschilderten Zubringer an den Rhein. So muss jeder, der dem Rhein folgt und sich auf dem D8 orientiert, den Schlenker über Wahn fahren.

 

 

 

Nach Libur bin ich übrigens früher zum Reiten gefahren. Jetzt bin ich aber so schnell durchgerauscht, dass ich vergessen habe, ein Foto zu machen.
Weiter geht es durch Kohlfelder, Golfplatz und Rollrasenzucht. Noch ein kleiner Schlenker zum Rotter See.

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Badestrand am Rotter See

So würde ich mir das für unser Baggerloch wünschen. Aber nee, da kommt ja eine Wasserski-Anlage hin.

Über Eschmar und Müllekoven komme ich schließlich an die Sieg.
Fazit bis hier: Jaaa, kann man so fahren, muss man aber nicht. Ich finde die Rheinstrecke schöner und abwechslungsreicher, auch wenn sie etwas länger ist.
Auch an der Sieg nehme ich nicht die Brücke (D8) sondern gönne mir den Spaß für 1€ mit der Fähre überzusetzen. Die kleine Seilfähre hatte ich wesentlich kippeliger in Erinnerung. Mittlerweile ist sie fahrradtauglich.
Anschließend ein Blick auf die Sieg:

P1000605P1000606Angeblich sind Biber in die Sieg eingewandert, aber Spuren sehe ich hier nicht.
Und dann bin ich endlich doch am Rhein.
Die sehr informative Beschilderung der Rhein-Erlebnisschiene – alle paar Meter gibt es was zu lesen – weist mich auf die romanische Doppelkirche St. Maria und Clemens hin.
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Die hätte ich mit Blick auf den Rhein glatt übersehen. Irgendwann schaue ich sie mal genauer an.

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Blick Richtung Bonn

Das Rheinufer ist aufgrund der Trockenheit immer noch reichlich breit und es haben sich kleine Sandbänke gebildet, auf denen Kormorane ruhen.

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Treidelpfad

In den 80ern sind wir hier noch über einen hubbeligen Treidelpfad gefahren, mittlerweile gibt es eine Etage höher durchgehend autofreie Rad- und Fußwege.
Das Navi gibt alle paar Meter eine sinnfreie Handlungsanweisung von sich, Wo es eigentlich nur geradeaus geht, aber Rad- und Fußweg sich nahe kommen.

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Siebengebirge

Der Weg ist schmal, es ist Wochenende, es ist voll und manche Idioten fahren wie die gesengten Säue. Ich sehe, wie ein Kampfradler auf der schmalen Piste eine Frau abdrängt, die beinahe gestürzt wäre und ungerührt weiter fährt. Außerdem muss man auf Fußgänger achten, die auf die Radspur torkeln.
Schon 1989 auf der Tour „Rhein hoch, Mosel hoch, Lothringen“ erlebte ich in Königswinter den ersten Fahrradstau meines Lebens. Diesen Sonntag war es nicht ganz so schlimm.

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Siegfried und der Drache

Königswinter ist Ausflugsort, hauptsächlich für Tagestouristen, Tor zum Siebengebirge, Startpunkt für die Besteigung des Drachenfels und steht ganz im Zeichen Siegfrieds des Drachentöters.
Außerhalb der Touristeneinflugschneise ist es mittlerweile etwas renovierungsbedürftig.
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Ich hätte nun mit einem Schiff zurück fahren können, hätte ich genug Bargeld mitgehabt. So aber nehme ich noch ein Eis, fahre dann mit der Bahn zum Flughafen und von dort die 8 km nach Hause. Immerhin weiß ich jetzt, wie ich mit dem Rad aus dem Flughafen raus komme, sollte ich jemals dort landen.

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Es summt und brummt

Eigentlich ist Efeu das Letzte.P1000585

Also das letzte was blüht im Jahr und dass Allerletzte, was Früchte bringt. Momentan blüht der Efeu, der meine Garage überwuchert, in Massen und darin brummt es.
Aber bei näherer Betrachtung sind es hauptsächlich Wespen und ein paar Fliegen, die sich dort als Bestäuber betätigen.

Ziemlich viele Wespen. GanzeWespenwolken.  Liegt das nun daran, dass der Imker nicht mehr hier ist und somit viel weniger Bienen? Oder muss das so? Jedenfalls hat dieser Efeu auch noch nie vorher so viele Blüten produziert. Unten im Garten ist sogar Efeu (andere Sorte) vertrocknet.

Bienenhaus

Bei der Bank gab es kostenlose Bienenhäuser zum zusammenbauen. Bisher hatte ich kein Insektenhotel. In meinem  tierfreundlichen Durcheinandergarten fand ich sie nicht unbedingt notwendig. Trotzdem habe ich eins besorgt und im Schweiße meines Angesichts zusammengeschraubt.
Aber wohin damit? In meinem Garten gibt es viel Sonne, aber da kann man nichts aufhängen. Und wo man was aufhängen kann, ist es eher schattig. Am Schuppen hat es immerhin die Vormittagssonne. Da hängt es nun.P1000572Ich finde es noch durchaus verbesserungswürdig. Die Lücken im „Dachgeschoss“ will ich noch mit Lehm ausfüllen, vielleicht auch noch etwas Holzwolle hinter die Blende stopfen. Ich glaube aber auch nicht, dass da dieses Jahr noch Wildbienen einziehen.P1000573

Sie sehen, dass Sie nichts sehen: ein Bodendenkmal

Weil Sonntag noch schönes Wetter war, habe ich mir ein Denkmal ganz in der Nähe ausgesucht: Die Merheimer Fliehburg. Hä? Nie gehört!
Auf bekanntem Weg ging es mit dem Rad zum Treffpunkt: Haltestelle Flehbachstraße. Von dort, in einer großen Gruppe zu Fuß am Flehbach lang, immer noch auf bekanntem Weg. Nur sonst fahre ich da mit dem Rad.

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Wir erfahren, dass wir uns auf der Niederterrasse des Rheins befinden. Königsforst und Wahner Heide liegen auf der Mittelterrasse und danach geht es noch hoch zum Bergischen Land. Heute ist die Landschaft stark von Menschen überprägt.

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hinten der Hubbel ist die Böschung der Autobahn.

In der Jungsteinzeit war hier ein menschliches Siedlungsgebiet. Leider keine Bandkeramik-Siedlung, wie es sie auf der anderen Rheinseite gibt, die haben nämlich viel mehr hinterlassen, sondern eine andere Siedlungsform, die der Michelsberger Kultur zugerechnet wird.
Nun erfahre ich auch, warum hier, im Merheimer Bruch, der kanalisierte Flehbach so tief liegt.

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Rechts oben der Weg, links der Merheimer Bruch

Denn da unten, wo jetzt das viele Schilf steht, war damals in der Jungsteinzeit noch ein abgetrennter Rheinarm. Der später verlandete und viel später ganz entwässert und trocken gelegt wurde. Also eigentlich mündete der Flehbach damals schon hier in den Rheinarm und nicht, wie heute kanalisiert in den Rhein.
Geplant ist, den Merheimer Bruch zu renaturieren und wieder zu vernässen.Jedoch die Anwohner fürchten die Mücken.

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ob da jemals wieder Wasser reinkommt?

Jedenfalls kamen hier an der Stelle zwei dieser alten Rheinarme zusammen und dazwischen lag eine Insel oder Halbinsel und auf der siedelten die Michelsberger.

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Der Hubbel da hinten ist die Fliehburg

Die Fliehburg ist also natürlichen Ursprungs. Dort wurden Siedlungsreste – leider nur wenige – Scherben und Steinbeile gefunden. Weil die Michelsberger nicht, wie die tollen Bandkeramiker, ihre Häuser auf Pfosten bauten, kann man die Häuser auch nicht rekonstruieren.
Nach einem längeren Aufenthalt unter der Autobahnbrücke, wo auch unter anderem gezeigt wurde, wie ein Abschlag entsteht, erklommen wir über einen Trampelpfad die Merheimer Fliehburg, wo wir schon leicht ermattet ins Gras sanken.

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Noch ein aufmerksamer Zuhörer

Die Fliehburg heißt Fliehburg, weil sie durch einen künstlichen Graben, der die beiden Wasserflächen verband, vom Land abgetrennt wurde. Unklar ist, wer diesen Graben grub.
Ein zweites Denkmal habe ich an diesem Tag leider nicht mehr geschafft.
Ich fand das Gelände vor allem biologisch interessant. Muss ich noch mal alleine hin, wenn nicht so viele Leute da im Bild rumstehen.

Hinter Mauern

20180908_163346_resizedEs war einmal ein Clarissenkloster, das stand in Kalk, daneben eine Kirche. Bevor es die U-Bahn gab, fuhr ich daran mit der Straßenbahn vorbei und ab und zu sah ich eine schwarz gekleidete Nonne. (Genau das Richtige für meine Nonnenphobie)

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Kirche

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Torhaus

Umgeben war das ganze Kloster von einer hohen Mauer.

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Mauer von innen

Darinnen lebten, wie gesagt, Clarissen.
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Was ich nicht wusste: Abgesehen von einigen Wenigen, die im Torhaus wohnten, lebten die Damen hier freiwillig wie im Knast. Hinter dicken Mauern und Gittern, ohne Kontakt zur Außenwelt. Wer durch diese Pforte eintrat, kam lebend nicht wieder heraus. Tot auch nicht denn sie hatten einen eigenen Friedhof.

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Original Fenster einer Zelle, unten.

Beim Gottesdienst: Eigener Trakt für die Nonnen, hinter einem Gitter. Zellenfenster: Vergittert. Es gab ein Besucherzimmer für Angehörige: Auf der einen Seite die angehörigen, auf der anderen die Nonne, hinter Gittern. Das Besucherzimmer hatte eine Drehschleuse, durch die Gegenstände gereicht werden konnten. Andere Dinge des täglichen Bedarfs. konnten direkt durch eine Klappe geliefert werden.
Für mich wäre so ein Leben der nackte Horror. Wie kann sich jemand das freiwillig antun?
Jedenfalls ging dem Kloster sowohl der Nachwuchs als auch das Geld aus. Schließlich lebten nur noch wenige uralte Nonnen in dem baufälligen Gemäuer und kamen nicht mehr zurecht. Behindertengerecht war das ja auch nicht.
Das Erzbistum Köln übernahm das Gebäude, nachdem die Nonnen aufgeben mussten und wusste auch zunächst nichts damit anzufangen.
Als dann 2015 die ersten Flüchtlinge ins Land kamen, bot das Erzbistum an, das Kloster als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Dazu war es aber zu baufällig.
In Rekordzeit wurde ein Bauantrag gestellt, genehmigt (!), geplant, umgebaut, angebaut und was am Ende dabei heraus kam ist ein integratives Wohnprojekt.
Um einen Zugang zu schaffen, wurde ein Teil der Mauer abgerissen, es entstand ein Vorplatz, die Kirche erhielt einen neuen Seiteneingang, es wurden noch zusätzliche Gebäude errichtet.
Die Kirche ist immer noch Kirche, kann aber auch als Veranstaltungsraum und Anlaufstelle für Flüchtlinge genutzt werden.

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Innenhof

Im ehemaligen Klostertrakt wurde aus jeweils zwei Zellen ein größeres Zimmer. Hier leben Jugendliche in Wohngruppen.
Der völlig überwucherte Innenhof wurde gerodet und bekam ein neues Pflaster.
Die Gitter der Fenster wurden entfernt, die Zimmer bekamen neue, größere Fenster.
Hinter den kleineren liegt noch der ehemalige Wandelgang.
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Hinter dem ehemaligen Klostertrakt, wurde ein Neubau errichtet.
Hier leben Flüchtlinge, Menschen mit Behinderung und Menschen mit wenig Geld zusammen. Der Neubau wurde gut und günstig geplant, die Wohnungen sind unterschiedlich groß, im Garten befinden sich Sitzplätze, eine Sandkiste und Kirschbäume.

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Neubau mit Garten

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Rückseite des Neubaus mit Buche

So unterschiedliche Menschen zusammen, klappt das? Offensichtlich schon. Die Wohnungen sind begehrt. Die ganze Anlage ist autofrei und strahlt eine ruhige Atmosphäre aus.
Die mich kennen wissen: Es war mal wieder Tag des offenen Denkmals. Leider war nur das Handy mit, weil ich keine richtige Kamera mit zum Aikido schleppen wollte.

 

Was war das interessanteste, was Du diese Woche gesehen oder gelesen hast?

So lautete eine Frage auf Quora.

Meine Antwort: Angesehen: Die Grube Cox, einen aufgelassenen Steinbruch, jetzt Naturschutzgebiet.
Gelesen: Frank Schätzing: Breaking News Hat mich wirklich eine Woche am Stück beschäftigt.
Angeschaut: Das Salz der Erde. Wim Wenders Dokumentation über Sebastiaõ Salgado.
Gegessen: gegrillten Oktopus mit Fava und Kapern. Davon kannte ich Fava noch nicht.
Ausgeweitet auf den ganzen Monat, käme sicher noch die Panzerwaschanlage in der Wahner Heide dazu, die Auswirkungen der Dürre und die Erfindung einer tragbaren Klimaanlage.
Außerdem habe ich im August mein kleines Haus verkauft, jedenfalls war der Notartermin. Und jetzt hängen alle Beteiligten in der Warteschleife, bis der Papierkrieg mit der Stadt erledigt ist.

Die für mich traurigste Antwort auf diese Frage war übrigens: Angebote bei Lidl. Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob diese Antwort ernst oder ironisch gemeint war. Wie dumpf muss ein Leben sein, in dem die Angebote bei Lidl das Interessanteste der Woche sind? Und wie weit bin ich von dieser Lebensform entfernt?

Wie geht es Euch? Was war das Interessanteste, was ihr diesen Monat gesehen oder gelesen habt?