Sind so viele Götter

„You must be very happy today!“

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„Ääääh – What?“
Der kleine, 14jährige, buddhistische Mönch strahlte uns an.
„Yes, You must be very happy today, because your God was born today!“
„Ääääh – yes.“

Ich war mal wieder mit dem Kollegen M. aus D. unterwegs und den Geburtstag des aramäischen Wanderpredigers hatten wir nach zwei Wochen Vielgötterei glatt vergessen.

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Denn in Sri Lanka gibt es viele Götter!

Buddha ist zwar genau genommen kein Gott sondern ein Lehrer, wird aber nichtsdestotrotz wie ein Gott verehrt. In Kandy gibt es jedes Jahr eine Prozession, bei der ein Zahn Buddhas auf einem Elefanten durch die Stadt getragen wird. Sozusagen das buddhistische Pendant zur katholischen Reliquienverehrung.

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Zahntempel Kandy

Die Anzahl hinduistischer Götter hingegen geht gegen unendlich.Mein persönlicher Favorit ist Ganesh, der kleine, dicke Gott mit dem Elefantenkopf.

Beiden gemeinsam ist, dass sie fremde Götter einfach schlucken. Im Buddhismus gilt Jesus als Bodhisatva. Als Erleuchteter also.
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Während er im Hinduismus als eine der vielen möglichen Manifestationen Vishnus daher kommt.buddha0004

Als Buddhisten dürft ihr auch noch Christen sein, umgekehrt aber nicht.
Und ich hoffe, ich habe jetzt nichts verwechselt.
Also egal, an was ihr glaubt, ob ihr was feiert oder nicht.buddha0001

Don’t worry, be happy!

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Planlos in Deutschland

„Der Weg ist das Ziel.“ Kennt man ja, zumindest bei Radreisen. Ich plane ja schon herzlich wenig, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin. Jedenfalls weiß ich selten, wo ich abends ankomme und übernachte. Habe ich noch nie gewusst. Auch nicht bei den ersten Radreisen mit Freund, wo irgendein „Camping Municipal“ angesteuert wurde. Übrigens eine lobenswerte Erfindung der Franzosen, die man gerne mal hierher importieren könnte.
Aber meistens habe ich doch entweder ein Ziel: „Von Köln nach Seesen“, „Von Köln nach Hamburg“ oder wenigstens einen Weg: „Ostseeküsten-Radweg“, „Elbe-Radweg“.

Einmal aber war das nicht so. Damals, im vorigen Jahrhundert, war ich fest angestellt beim NDR und hatte nur zwei Wochen Urlaub zu einem festen Termin. Der Plan war: „Von Hamburg an die Müritz“ und er ging nicht auf, weil es schüttete wie aus Eimern. Da stand ich nun, unter einer Brücke in Harburg, mit dem Rest einer Erkältung in den Knochen und guckte in eine Regenwand. Schließlich fuhr ich zum Bahnhof in Harburg und erstand eine Fahrkarte für den Nachtzug nach Karlsruhe, weil der Oberrhein ja bekanntlich die trockenste Gegend in Deutschland ist. Bis zur Abfahrt ging zum Trocknen ich ins Kino: „Herr der Gezeiten“, eine fürchterliche Schnulle mit Nick Nolte und Barbra Streisand. Komisch, was so im Gedächtnis bleibt.

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Da stand ich nun, mit meinen Karten von Mecklenburg-Vorpommern im Badischen. Sonntags um 6 gab es auch keinen Fahrradplanladen, geschweige denn Frühstück. Aber es war sonnig und trocken und schließlich fand ich immerhin einen Bäcker. Gut gelaunt ging es den Rhein hoch, tatsächlich ohne Plan. Den Fluss zur Rechten kann man sich schwer verfahren, allerdings gab es schon ein paar Sackwege an den Rheinarmen. (Die Karte oben ist nur ein ungefährer Nachbau)
Mittags kam ich in Illingen an. Der Wirt der einzigen Gaststätte bot mir sein noch nicht ganz fertiges Gästezimmer zum Vorzugspreis an. Und was dann folgte, erlebt man wohl nur auf Zufallsreisen.
Den Nachmittag über trieb ich mich ohne Gepäck in den Rheinauen herum. Beim Abendessen stellte sich heraus, dass es sich bei dem Gasthof um die allseits beliebte Dorfkneipe handelte. Die männlichen Ureinwohner schafften es, mich mit Weinschorle komplett abzufüllen. Die eine war noch nicht leer, da stand schon die nächste an meinem Platz. Obwohl ich die Sprache nicht verstand, amüsierte ich mich prächtig. Ein polnischer Gastarbeiter tat sich als Übersetzer hervor. Um das ganze noch abzurunden erschien zu später Stunde noch ein Schwarzer, mit Souvenirs, Gürteln und Klimperkram behängt, wie ich ihn bis dato nur von den Küsten des Mittelmeers kannte. Ich begutachtete die Gürtel, entschied mich aber dann dagegen und ging irgendwann schlafen.
Am nächsten Morgen lag ein Gürtel auf meinem Frühstücksteller.
Leicht verkatert wendete ich mich zunächst gen Rastatt. Dort erstand ich eine ADFC-Fahrradkarte, eine Flasche Apfelsaft (sollte man nicht auf Ex- trinken habe ich da gelernt) und Sonnencreme, denn inzwischen war es nicht mehr warm sondern heiß.
Ich entschied mich für den Rheinradweg, der damals aber nicht direkt am Rhein entlang, sondern auf Wirtschaftswegen über die Hügel verlief.

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Gengenbach

Später bog ich ab Richtung Schwarzwald und blieb zwei Nächte in Gengenbach, ging einen Tag wandern und schaute eine Theateraufführung auf dem Marktplatz an.
Dort entschied ich mich spontan, durch das Kinzigtal zu fahren, tief in den Schwarzwald hinein, besuchte ein Gerber und Flößermuseum, fuhr ein Stückchen mit der Schwarzwaldbahn und landete so in Donaueschingen.

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Beim Schüttsägemuseum

Ab dort folgte ich dem Donauradweg, stand staunend vor der Donauversickerung und traf auf ein Schweizer Pärchen. Wir hatten uns seit Donaueschingen schon ständig gegenseitig überholt. Mal machten sie Pause, mal hatte ich ne Panne, jedenfalls fuhren wir dann ab der Donauversickerung zu dritt und checkten auch zu dritt in die Unterkünfte ein und besuchten zu dritt den Blautopf. Durch ein paar Deutsch-Schweizer Radrennen wurden auch die Tagesstrecken länger. Erst in Regensburg trennten sich unsere Wege wieder, denn mein Urlaub war zu Ende und ich musste mit dem Nachtzug nach Hamburg, die Beiden wollten weiter an den Bodensee.

Was ich aus dem Trip gelernt habe:

  1. Es gibt in Deutschland unglaublich viel zu entdecken.
  2. Man braucht keinen Plan um schöne Ferien zu haben, nicht einmal eine Landkarte.

Seitdem habe ich immer mal vorgehabt eine Radreise „Planlos in Deutschland“ zu fahren. Doch bisher ist mir immer ein Weg oder ein Ziel dazwischen gekommen.  Damals fand das noch unter verschärften Bedingungen statt. Mittlerweile ist Deutschland ja überzogen von einem gut ausgeschilderten Radfernwege-Netz und regionalen Wegweisungen. Es wäre doch bestimmt mal lustig nur mit dem Wind im Rücken zu fahren, steile Steigungen zu meiden, an Kreuzungen die Richtung auszuwürfeln oder einem Schild nach „Da war ich ja noch nie“ zu folgen.

Ja ni snaju

Frau Unterwegs mit mir rief zur Blogparade Fremdsprech.

Was für Sprachen spreche ich denn nun?

  1. Kölsch: War sozusagen meine erste Fremdsprache. Meine Oma sprach reinstes Kölsch, mir aber war Kölsch verboten. Damals galt nämlich die Theorie: Wer zu Hause Kölsch spricht, lernt schlecht schreiben. Das stimmte sogar für einige Schulkameradinnen, deren Eltern ausschließlich Kölsch sprachen. Kölsch hat eigene Vokabeln und eine eigene Grammatik, die von der Deutschen abweicht. Das rheinische Gerundium ist dem Englischen verwandt: Et es am räne.
    Irgendwann wollte ich Karneval in die Bütt und dazu musste ich ein endlos langes Gedicht auf Kölsch auswendig lernen. „Mir jonn noh de Groß“. Inhaltlich war das schon klar, aber die Aussprache… Mein passiver Wortschatz ist groß, die Aussprache erbärmlich.
  2. Englisch: Ganz klar, erste Fremdsprache auf dem Gymnasium unterrichtete die dicke, gemütliche Frau Lange. Bei ihr habe ich schnell und gut gelernt. Als sie krank wurde, gab es je ein halbes Jahr bei einer englischen Muttersprachlerin und einem amerikanischen Muttersprachler. Ich weiß nicht, was der deutsche Lehrplan dazu gesagt hat, dass wir unsere Lieblingsplatten im Unterricht gehört und übersetzt haben, aber es war lustig und effektiv. Zwischen der 10. und der 11. Klasse war ich vier Wochen in London und anschließend die Londoner vier Wochen in Köln. Da meine Partnerin überhaupt kein Deutsch sprach, konnte ich Englisch anschließend so gut, dass es bis zum Abi gereicht hat. Englisch ist praktisch für unterwegs. Man kommt damit ziemlich weit.
  3. Latein: Gab erst der freundliche Herr Rodeck. Auch bei ihm habe ich schnell und gut gelernt, er war aber sehr langsam mit dem Lehrstoff. Und so kam, was kommen musste, in Gestalt von Frau Becker! Die größte pädagogische Niete des vorigen Jahrhunderts. Keifend, pöbelnd und brüllend stand dieser Drache vor der Klasse, und bezeichnete uns alle als strohdoof, weil wir nicht so weit waren, wie wir laut Lehrplan hätten sein sollen. Aber nicht, dass sie uns einfach dort abgeholt hätte, wo wir standen, sondern sie machte einfach dort weiter, wo wir hätten stehen müssen. Außerdem nannte sie mich ständig Barbara. Ich kotzte vor jeder Lateinarbeit und schrieb eine fünf nach der anderen. Bis ich nach einer kurzen Grippe in die Schule kam, von Lateinarbeit nichts wusste, mit Scheißegal-Stimmung in die Klassenarbeit ging und eine zwei schrieb. Nun hätte ich noch das große Latinum machen können, wollte aber nicht eine Minute länger als nötig mit dieser Frau verbringen.
    Ich kann kein Latein! Falls ich Latein können muss, leite ich es aus dem Spanischen ab.
  4. Französisch: kann ich lesen, verstehen und einigermaßen sprechen, aber nicht schreiben. Das war an der Schule ein ganz kurzes Intermezzo in der 11/1 mit Frau Wiedmann, die ich auch bis zum Abitur in Englisch hatte. Auch eine Lehrerin, mit der man auskommen konnte. Sie hatte allerdings einen strengen, sächsischen Akzent über Englisch und Französisch gelegt. Weil ich zu der Zeit noch unter dem Latein-Schock litt, und es kein Pflichtfach war, habe ich es gelassen. Anschließend war ich oft genug in Frankreich um es einigermaßen zu lernen. Menue avec ou sans escargots? Ahhja! Escargots sind also Weinbergschnecken. Französisch ist auch in Marokko durchaus praktisch.
  5. Spanisch: Habe ich nach der Schule freiwillig und gründlich gelernt. Wir warn nämlich damals auf Lanzarote und fanden die Leute da so nett, konnten uns aber nicht verständigen. Eine Freundin, die Spanisch studierte, hat danach meinen und ihren Freund und mich einmal in der Woche unterrichtet. Später hatte ich zwei sehr intensive Sprachkurse auf Gomera bei Muttersprachlern. Nach einem enttäuschenden Semester an der VHS wechselte ich zu einer Sprachschule in Köln, ebenfalls mit Muttersprachlern als Lehrern. mit dem Umzug nach Hamburg und Schichtarbeit beim NDR konnte ich an der Stelle nicht weiter machen. Aber nach mehreren Reisen ins spanischsprachige Ausland kann ich es ganz gut. Mit Spanisch kommt man auch sehr weit.

Und dann gibt es noch die Bröckchen

  1. Russisch Nach der Wiedervereinigung lief im Schulfernsehen „Russisch für sie“ Ich habe zehn Stunden auf VHS aufgezeichnet und gelernt, wenn ich gerade Lust dazu hatte. Auch das hat sich dann mit  der Schichtarbeit erledigt. Russisch ist praktisch um ostdeutschen Kollegen den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Ja ni snaju!“ „Wie, das weist Du nicht?“ Ich kann es mühsam entziffern und ein paar Sätze zum Angeben. Ja ni panimaju po ruski.
  2. Marokkanisch-Arabisch/Berber: Ich bin ja immer der Meinung, ein paar Brocken in der Landessprache können nicht schaden. Und wieder waren die Leute so nett. Verstanden aber nie, warum ich Kawa Kahla (Kaffee schwarz) und der Kollege M aus D. Kawa Chlib (mit Milch) bestellt haben. Jedenfalls bekamen wir den grundsätzlich falsch rum serviert und mussten dann tauschen. Makensch muschgil (macht nix).
  3. Last not least: Japanisch: ichi, ni, som, chi, go… Wenn ich ständig mit japanischen Zahlen berieselt werde, kann ich irgendwann japanisch zählen. Ich habe mal die Theorie aufgestellt, wahrscheinlich könnte ich schneller japanisch lernen, als Aikido. Für Japanisch-Unterricht an der VHS müsste ich aber Aikido opfern. Japanisch ist praktisch auf der Matte. Lesen und schreiben werde ich das wohl nicht mehr lernen. Domo arrigato.
  4. Polnisch: Habe ich vergessen. Dzien dobre, dziekuje, das war’s.

Flötentöne

Unterwegs mit mir fragte nach Urlaubsandenken.
Natürlich habe ich immer viele Fotos mitgebracht, aber die zählen wohl nicht. Muscheln und Steine auch.
Irgendwann habe ich eingesehen, dass Stehrümchen und Staubeinchen eben das tun: rumstehen und einstauben. Also habe ich, zumindest auf Fernreisen, immer etwas ältere Klamotten mitgenommen habe, die ich notfalls zurücklassen konnte und dann im Urlaub neue Klamotten gekauft. Aus Costa Rica brachte ich T-Shirts, Aus Mexico zwei Jeans in meiner Größe und indianische Tuniken.
Aber es gab auch eine Zeit der Stehrümchen und Staubeinchen.

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Die Okarina

Im Winter 1993/94 machte ich meinen zweiten Sprachkurs auf La Gomera. Mein Kollege M. aus D. hatte sich kurz entschlossen mit in den Urlaub eingeklinkt, und wir teilten und ein Zimmer.
In meiner Gruppe des Sprachkurses gab es noch einen jungen Kölner, der ebenso wie ich eine Weile in der Kölner Jazzhaus-Schule musiziert hatte. Er war ein großer Fan von Charlie „Bird“ Parker.
Eines Tages erstanden M. aus D. und ich je eine Okarina. Abends, nicht mehr so ganz nüchtern, stellten wir fest, dass man darauf wunderbar unsere Nationalhymnen spielen konnte.“Einigkeit und Recht und Freiheit“, „Auferstanden aus Ruinen“. Später dann, dass man die auch locker mixen konnte: „Einigkeit und Recht und Freiheit und der Zukunft zugewandt…“Auferstanden aus Ruinen für das Deutsche Vateherland“… „Einigkeit und aus Ruinen“…“Auferstanden Recht und Freiheit“…
Am nächsten Morgen im Sprachkurs beklagte sich der Musiker aus Köln bitterlich: „Gestern spät haben zwei besoffene Idioten die zwei Hymnen geflötet.“
Am nächsten Abend stellte ich mich also voller Reue ans Fenster und flötete eins der Anfängerstücke aus der Jazzhaus-Schule: Watermelon Man (War es nicht, aber etwas ähnliches, nur von Charlie Parker, und mir fällt der Titel nicht mehr ein). Klingt im Anfängerkurs der Jazzhausschule nicht ganz so gut und auf der Okarina gefiepst erst recht nicht.
Aber er hat es erkannt.

In der Eifel

Der Oktober war so ausgefüllt wie selten ein Monat. 2x auswärts eingeladen, 3 Tage Aikido-Lehrgang mit Arriga Sensei, 3x Dojo-Party (Lehrgangsparty, Geburtstag, Kyu-Feier) diverse Behördengänge und damals, als die Sonne noch geschienen hat, war ich mit der Fernwehmutter in der Eifel.P1000754

Bathida war auch mit.P1000773

Die Fernwehmutter brauchte nämlich aktuelle Fotos für die Neuauflage ihres Reiseführers Jakobsweg Köln – Trier.
Leider war ich zu der Zeit nicht so gut zu Fuß und so fuhren wir die einzelnen Fotoziele mit dem Auto an.

Von Kapelle zu Kapelle,

An einer romantischen Ruine vorbei,

Nach Bad Münstereifel.

Ich gestehe, ich habe mir die Zwischenziele nicht gemerkt. Passiert mir immer, wenn ich mit dem Auto durch die Gegend geschaukelt werde.

Der Ausflug hat Spaß gemacht und ich stellte fest: Ich war zu lange nicht in der Eifel und ich muss mal wieder in die Eifel. Und ich möchte mal wieder wandern, wenn die Knie mitspielen.

Aber jetzt muss ich mich von dem Party-Monat erholen, denn ich habe mir eine fette Halsentzündung eingefangen.

Blogparade: Die Quartierfrage

Stellte „Unterwegs mit mir“ in einer Blogparade.

Ich gestehe: Ich ziehe gern von Ort zu Ort und schlafe am liebsten im Zelt.DSC_3259

Ein Mountain Dome hat mich oft begleitet, im Bild ist Nr 2 zu sehen.
Auf Kanu und Gruppenreisen pflegte ich die Frage: „Warum schleppst Du dein eigenes Zelt mit?“, so zu beantworten: „Frag mich in zwei Wochen noch mal.“
Auf meinen Radtoren und wenn ich allein unterwegs bin, bevorzuge ich aber feste Unterkünfte. Zeltkram ist einfach zu viel Schlepperei für eine Person alleine.
Ich buche nichts vor, höchstens die ersten zwei Nächte und lasse mich überraschen.

Landflucht

Jetzt ist das Wetter wieder herrlich, ich war schon zweimal im Dojo und das Training fiel aus. Da hätte ich ebenso gut einen Tag Pause in Attendorn einlegen können, z.B. die Attahöhle mal wieder besuchen und dann in Ruhe die letzten beiden Abschnitte der Tour fahren. Konnte ich da ja aber nicht wissen. Immerhin ist der Rasen jetzt mal gemäht.

Damals in den 80ern in Frankreich gab es ein ganz bestimmtes Zeitfenster, in dem es etwas zu essen gab. Es gab ein Restaurant, das ein Menü servierte, mit oder ohne escargots.  Hatten wir dieses Zeitfenster verpasst, weil die Orte zu weit auseinander lagen, das erste Restaurant noch nicht offen war, das nächste schon zu, gab es die Notnudeln auf dem Spirituskocher zubereitet.
Seitdem hatte ich aber auf meinen Solotouren ohne Zeltausrüstung nie wieder Probleme mittags etwas essbares zu finden.

Und jetzt:
„Wir hatten hier mal drei Gasthöfe, aber der letzte hat jetzt auch zugemacht.“ „In Finnentrop gibt es keine Hotels mehr.“ „Hier gibt es nur noch Döner-Buden.“
Ja, Leute, wenn der einzige mit Geschäftssinn der Dönertürke oder der Pizzabäcker ist, dann ist das eben so. Und manchmal war ich froh, wenn es wenigstens Pizza, Döner oder Waffeln gab.

Die schwierige Versorgungslage schleppte sich eigentlich durch die ganze Tour. Besonders ärgerlich einen Umweg zu einem ausgeschilderten Restaurant zu fahren, das dann doch geschlossen war, obwohl es eigentlich geöffnet hätte sein sollen.

Ein Bad im Namen, wie Horn-Bad Meinberg garantiert nicht mehr, dass es auch eine Unterkunft gibt, ein schönes Renaissance Schloss ist kein Hinweis auf eine Verpflegungsmöglichkeit.

Ich bin durch wunderschöne Orte und Kleinstädte gekommen, Orte, die mir sehr viel lebenswerter vorkamen als das überfüllte, miefige Köln. Aber man merkte, dass irgend etwas fehlte. Sie wirkten teilweise wie Kulissen.

Selbst bei der Uncon in Seesen, wo es noch mehrere Hotels und Gaststätten gibt, stellte jemand fest: „Wenn man hier so durchläuft und überall sitzen Leute, die wir kennen, dann fragt man sich, wovon die eigentlich leben, wenn wir nicht hier sind.“

Es ist absurd: Da fährt man einen wunderschön touristisch ausgebauten Fernradweg entlang und kriegt nix zu futtern, weil die Gasthöfe geschlossen sind.
Und ich bin sicher, das betrifft nicht nur Gaststätten, sondern auch anderes Gewerbe. Hausärzte fehlen ja auch in ländlichen Gebieten. In NRW soll dagegen etwas getan werden.

Während dessen schreien die Medien, in Deutschland fehle es an bezahlbarem Wohnraum und Arbeitsplätzen.
Stimmt nicht, Medien. das trifft nur auf die hippen Szeneviertel in den angesagten Großstädten zu. In diesen wunderschönen Kleinstädten gäbe es ganz sicher bezahlbaren Wohnraum und mit etwas Eigeninitiative auch Arbeitsplätze, zum Beispiel in der Gastronomie.  Wenn es keine Einkehrmöglichkeit und keine Pension mehr gibt, fahren die Touristen durch, auch wenn in Fahrradtourismus investiert wurde.
Spätestens wenn es keinen Laden, keinen Metzger und keinen Bäcker mehr gibt, ist so ein Ort zum Sterben verurteilt.

Ich persönlich lege keinen übersteigerten Wert darauf, mitten in der Großstadt zu leben. Vielleicht geht es ja dem einen oder der anderen auch so, und sie überlegt sich in eine kuschelige Kleinstadt zu ziehen um sie wieder zu beleben.