Tag des offenen Denkmals 2017

Der Samstag war so völlig verregnet, dass ich nach dem Aiido nur noch eins im Sinn hatte: Was essen und dann ab ins Trockene.

Aber Sonntag früh war es dann frisch und trocken und so konnte ich doch noch das Fahrrad satteln und mir zwei Denkmale in der Nähe ansehen.

Als erstes das Wasserwerk, das ich ja vorigen Monat zu früh und somit vergebens angefahren hatte. Normalerweise ist es der Öffentlichkeit verschlossen.

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Wasserwerk Westhoven

Bei näherer Betrachtung erinnert das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1904 an ein Kirchenschiff. Die Begründung gab es auf der Führung: So große Hallen konnten damals nur Architekten bauen, die Erfahrung mit Kirchen hatten.

Und gleich noch eins: So lange die Pumpen mit Dieselgeneratoren betrieben wurden, haben dort jede Menge Leute gearbeitet, die ursprünglich aus der Schifffahrt kamen.

Ich mag ja solche alten Industriegebäude mit ihren Details.

Auf dieser Führung lag der Schwerpunkt allerdings weniger auf dem Denkmalschutz, als auf der Wassergewinnung, -Verteilung und -Aufbereitung.
Obwohl das Wasserwerk relativ dicht am Rhein steht, ist das Wasser nicht, wie allgemein angenommen, Uferfiltrat aus dem Rhein, sondern Grundwasser.

Es wird aus Tiefbrunnen gefiltert und mit Elektropumpen gefördert. Diese Pumpen verteilen es auch im Kölner Raum, denn Köln ist flach, deshalb ist es einfach.

Obwohl das Thema Stickstoffeintrag gerade mal wieder durch die Medien schwappt, hat sich die Wasserqualität des Grundwassers konstant verbessert, auch was andere Schadstoffe angeht. Sogar das Rheinwasser hat mittlerweile fast wieder Trinkwasserqualität.

Wasser in PET-Flaschen kaufen ist doof, von Nestlé noch doofer!

Es gibt aber trotzdem Stoffe, die für das Trinkwasser problematisch sind. Löschschaum von der Feuerwehr zum Beispiel und das Kontrastmittel, das nach Röntgenuntersuchungen ausgeschieden wird.

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In der modernen Halle, stehen vier große Holzkohlefilter für den Fall der Fälle. Sie sind allerdings kaum noch notwendig. Für Kinder ist hier auch die Wasserschule integriert.

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Unser Führer war übrigens so auskunftsfreudig, dass er beinahe seine nächste Führung verpasst hätte.

Zu Mittag wollte ich mich am Rhein stärken, ist ja nicht so weit. An der Ampel musste ich mich erstmal orientieren, Neben mir stand ein jüngerer Mann mit einem Mountainbike der Marke: Fabrikneuer Schrott. Bei Grün fuhr er sehr flott an und ich folgte ihm Richtung Rhein. Bergab ließ er rollen, ich auch, aber irgendwann beschloss ich, wieder zu treten und als er merkte, dass ihm eine kleine , ältere Frau auf einem großen, älteren Männerfahrrad „Das Wasser vun Kölle“ pfeifend näher kam, fing er an, wie ein Verrückter in die Pedale zu treten. Weil es ein Bisschen windig war, beschloss ich, eine Weile auf gerader Strecke seinen Windschatten zu genießen, woraufhin er noch verbissener in die Pedale trat. Gut für mich. Aber leider war mein Zugpferd irgendwann völlig außer Puste, so dass ich ihn leider überholen musste, sonst wäre ich aufgefahren. Nun könnte ich einen Vortrag halten über passende Sattelhöhe, die regelmäßige Wartung von Kette und Kranz und die angemessene Nutzung einer Gangschaltung, beschränke mich aber auf: Hirn schlägt Testosteron.

Jedenfalls war ich flott am Rhein und am Poller Fischerhaus gab es geräucherte Forelle mit Bratkartoffeln. Naja, der Name verspricht Fischspezialitäten, der Schwerpunkt der Speisekarte liegt aber auf Schnitzel und Burger.

So gestärkt ging es zum Fort IX des äußeren Festungsrings. Auch dieses ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Eine Besichtigung mit Gruseleffekt, versprach der sehr engagierte Führer. Nach einem gelungenen Vortrag über die Geschichte des Kölner Festungsrings ging es hinein.

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Leider ist das Gebäude dem Verfall preisgegeben. Es gibt zwar Bemühungen, es zu erhalten, aber die Eigentümer, in diesem Fall das Land stellt sich quer.

Deswegen ist es auch nicht ganz ungefährlich, darin herumzuklettern. Es gibt Löcher im Boden, Brückenübergänge ohne Geländer, misstrauen erweckende Treppen und ein nicht mehr sehr tragfähiges Dach.

Gelegentlich wird es noch als Filmkulisse, z.B. für  „Dresden“ oder „Unsere Väter, unsere Mütter“ genutzt.

Jetzt ist es übrigens amtlich: Komoot frisst Fotos. Ich hatte mich ja schon gewundert, dass Fotos vom Handy verschwunden waren. Weil ein aussagekräftiges Foto genügt, habe ich ein Foto aus Komoot gelöscht, und zwar  nichtmal am Handy sondern am Mac. Daraufhin ist es auf dem Handy verschollen. Das finde ich jetzt richtig Scheiße.

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In der Tourbeschreibung ist es das rechte, viel bessere Foto.

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Der Sportscheck-Scheck

Ich gebe zu: Ich kaufe ein, wie ein Mann. Rein in den Laden, Beute greifen, bezahlen, raus aus dem Laden. Der ganze Vorgang sollte in 10 Minuten abgeschlossen sein, dann bin ich zufrieden. Ich merke mir die Stellen, an denen

  • ich schnell passende Beute gemacht habe
  • ich freundlich und kompetent beraten wurde
  • es für meine Füße passende Schuhe gibt (also ecco)

Es ist wahrscheinlich, dass ich diesen Laden dann immer wieder aufsuche, und so kam es, dass ich zum Beispiel mit der Wahnvorstellung einer Beerdigung im Schneesturm in den Globetrotter gestürmt bin, freundlich und kompetent beraten wurde und nach wenigen Minuten mit einem warmen, wasser- und winddichten schwarzen Mantel den Laden wieder verlassen konnte.

Nun hatte ich einen 20€ Gutschein für Sportscheck, den ich hemmungslos verprassen konnte. Ich dachte also an eine Shorts oder eine Hose, bei der man die Beine abzippen kann oder evtl. eine Fahrradhose.

Fängt schon mal damit an, dass Sportscheck in der Schildergasse liegt, ein Ort, den ich sonst konsequent meide. Dann auch noch Samstags nach dem Aikido, damit ich nicht zum Einkaufen noch mal extra in die Innenstadt muss. Es war, wie zu erwarten, voll.

Im Eingangsbereich gab es schon Shorts, gemacht für Däumelinchen. Wer bitte soll da reinpassen? Eine hätte mir gepasst, sie war mit vegan beworben, sah aber an meinem Hintern absolut bescheuert aus. Blau-weiß gestreift und irgendwie fluddelig, nicht sehr haltbar.

Also ab in die Fachabteilungen. Dort gab es nur noch Outdoor-Klamotten aus Kunst-Stoffen. Gefühlt 80% des qualitativ hochwertigen Angebots war für Männer. Verkäufer waren nicht zu sehen. die Damenhosen in der „Hiking“-Abteilung schienen mir alle entsetzlich dünn und erinnerten vage an Duschvorhänge. Nachdem ich stundenlang in den Abteilungen herumgeirrt bin, ohne etwas passendes zu finden,  begann ich halbherzig einige anzuprobieren. Eine der Hosen wies einen Fleck auf. Schließlich gelang es mir einen entsetzlich schlecht gelaunten „Verkäufer“ der Marke: „Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag“ einzufangen. Ich wies ihn auf den Fleck hin. Er meinte, den sähe man doch gar nicht. „Doch, der sieht aus wie ein Wichsfleck!“  Mehrere Kunden drehten sich grinsend zu uns um. Nach meiner konkreten Frage zu „Fjällräven oder… “ für Damen, wies er mich muffig zu einem kleinen Ständer, an dem einige wenige Exemplare baumelten. Dort habe ich schließlich die einzige Hose gefunden, die passt, von guter Qualität ist und mir gefällt und erheblich mehr zugezahlt, als ich vorhatte.

Das nächste mal nehme ich einen Gutschein vom Baumarkt und kaufe Blumen für den Garten.

Mal eben Bahnhöfe knipsen

Für bekloppte Ideen bin ich ja empfänglich. Von Bookcrossing mit Themenreleases (Buch passt zum Ort), diversen Challenges (Wald-Challenge)  und Spielchen (Monopoly) bis hin zu Zufallsreisen.

Und als nun Wattundmeer schrieb, der Zwetschgenmann habe geschrieben, dass Gaby Becker Bahnhöfe sammelt, da war ich sofort infiziert. Auf der Landkarte von Köln und Umgebung gibt es noch einige Rote Flecken, also Bahnhöfe, die noch niemand fotografiert hatte. Zumal auch S-Bahnhöfe gefragt waren.

Den ersten, den Südbahnhof, habe ich gleich sozusagen nebenbei eingesammelt. Vom Dojo aus ist es nicht weit zu laufen und die (für mich) Rückseite sogar recht ansehnlich.

Koeln-Sued

Südbahnhof

Hier fehlen offensichtlich noch ein paar Fahrradständer. Allerdings komme ich, wenn ich dort einsteige, von der anderen Seite, Dasselstraße, und die ist beispielhaft für viele Kölner Nebenbahnhöfe: Ein, im schlimmsten Fall vollgepisstes, schwarzes Loch unter einer Unterführung, von dem aus eine marode Treppe zum Bahnsteig führt. Den muss man dann ganz entlang laufen, auf der anderen Seite wieder über eine marode Treppe hinunter, eine dritte marode Treppe hinauf bis man auf dem richtigen Bahnsteig landet. Behindertengerecht ist anders.

Sonntag also fiel mir ein: Ich muss ja nicht kochen! Und das Fahrrad braucht Bewegung. Was dann folgte war eine Mischung aus Schnitzeljagd (Wo bitte ist der nächste Bahnhof?), planlos in Deutschland, Zufallsreise und Wiederentdeckung alter Bekannter. Ich machte mich also auf, ein paar schwarze Löcher zu fotografieren. In den Bahnhöfen selbst darf nicht fotografiert werden.

 

Koeln-Frankfurter–Straße

Frankfurter Straße

Der erste war ja noch einfach: Frankfurter Straße liegt zwischen Ostheim und dem Industriegebiet Porz. Den musste ich schon einige Male anfahren, weil es auf der gesamten KVB-Strecke zwischen Königsforst und Ostheim keinen Fahrkartenautomaten gibt und der in Ostheim und die Automaten in der KVB Linie 9 weder Geldscheine noch EC-Karte nehmen. Ein kleiner Tipp für Köln-Besucher: Die Automaten an den S-Bahn-Stationen gehören zur DB und kommen mit jedem Zahlungsmittel zurecht.

Der nächste Bahnhof liegt gleich um die Ecke:

Businesspark

Airport-Businesspark

Der Bahnhof mit dem futuristisch-modern klingenden Namen liegt tatsächlich mitten in der Pampa. Man erreicht ihn nur über diese Treppe und diverse Trampelpfade. Erstaunlich!

Die nächsten beiden schwarzen Löcher hätte ich tatsächlich nicht gebraucht. Da hat schon jemand anders Fotos abgeliefert.

Steinstraße

Steinstraße

Der Klassiker unter den Schwarzen Löchern sozusagen, aber immerhin mit gläsernem Aufzug.

Sowie:

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Porz

Dafür, dass Porz bis 1975 Stadt Porz war, ist der Bahnhof wirklich niederschmetternd. Die Geschichte erklärt es.

Aber, das ist ja das schöne an solchen bekloppten Aktionen, man findet Orte, die man sonst nicht gefunden hätte. In diesem Fall beim Umkreisen dieses fotografischen Tiefschlags die schönen Backsteinhäuser der Germaniasiedlung.

 

Nun allerdings verlangte es nach einem Mittagessen. Und da Porz am Rhein liegt und die Porzer Innenstadt ebenso frustrierend ist wie der Bahnhof, fuhr ich an den Rhein an die Groov.
Fortsetzung folgt…

Zigeunerfestival

Frohnleichnam in Köln war Zigeunerfestival. Eine bunte Veranstaltung in der die verschiedensten Spielarten der unterschiedlichen Zigeunergruppen und ihr Einfluss auf die europäische Kultur demonstriert wurde.

Zigeuner nannten sich die Veranstalter selbst. Denn es gibt außer Sinti und Roma auch noch andere Gruppen. Sogar aus Indien war eine Band angereist.

Mir haben die spanischen Gitanos am besten gefallen. Den Link anklicken!

 

Zählungen

Es ist wie verrückt. Wenn ich normalerweise Morgens hier am Klapprechner sitze und den Blick locker über den Garten schweifen lasse, kommen die interessantesten Vögel vorbei und landen auf der Telefonleitung. Auch wenn ich schlaff, wie gestern abend im Garten rumhänge, fliegen alle um mich rum. Heute extra früh aufgestanden und konzentriert in den garten gestarrt: Keiner da. Erst ab 8.00 kamen die üblichen Verdächtigen wieder aus ihren Verstecken. Mit Schietwetter, wie in den vorigen Jahren konnten sie sich dabei nicht rausreden. Heute früh war es klar und sonnig. Wahrscheinlich sitzen auch viele auf den Eiern. Immerhin weiß ich, dass die Kohlmeisen mit einer Brut schon fertig sind. Das erste, was ich gesehen habe, war eine Stockente. Nicht gerade ein Gartenvogel. Ansonsten: Kohlmeise, Blaumeise, Rotkehlchen, Amsel, Grünfink, Ringeltaube, Mönchsgrasmücke, Elster, Rabenkrähe, Heckenbraunelle, Singdrossel, Kanadagans.

Am Nachmittag geht es dann gleich weiter mit Zählen: Wählerstimmen der Landtagswahl im Briefwahlzentrum Deutz. Muss man mal gemacht haben. Ich bin Wahlhelferin seit etwa 8 Jahren, in Hamburg noch im Wahllokal mit anschließendem zählen, in Köln im Briefwahlzentrum Deutz. Hat bisher immer Spaß gemacht. Dieses Mal war es etwas mühsam, aus Gründen, von denen ich nicht weiß, ob sie der Schweigepflicht unterliegen. Dabei sind die Abläufe eigentlich einfach, sofern man der deutschen Sprache mächtig ist (seufz).

  1. Alle roten Wahlbriefe werden gezählt und kontrolliert, ob der Wahlbezirk stimmt.
  2. Ab 15.00 Die roten Wahlbriefe werden geöffnet und kontrolliert, ob der Inhalt stimmt blauer Briefumschlag + Wahlschein.
  3. Die Blauen Briefumschläge werden in die Urne versenkt.
  4. Pause bis nach 18.00
  5. Die Blauen Briefumschläge werden aus der Urne gekippt und gezählt, die Wahlscheine gezählt
  6. Die Blauen Briefumschläge werden geöffnet, die Stimmzettel sortiert in 4 Stapel:
  •  Beide Stimmen gleich,
  • Beide Stimmen ungleich,
  • Kuriositäten,
  • leer.

7. Die Stimmzettel mit den gleichen Stimmen werden nach Parteien sortiert und anschließend die Parteien ausgezählt.

8. Die Stimmzettel mit den ungleichen Stimmen werden nach der Zweitstimme und Parteien sortiert und die Parteien ausgezählt.

9. Die Stimmzettel mit den ungleichen Stimmen werden nach der Erststimme und Parteien sortiert und die Parteien ausgezählt.

10. Über die Kuriositäten wird abgestimmt.

11. Die Schriftführerin Bibo wandert durch die Instanzen: Plausibilitätsprüfung, Ergebniserfassung, Protokollabgabe, Kasse. Während dessen packen die anderen ein.

Ich schreibe das hier, weil ich ja immer Leute dazu bringen möchte, auch einmal Wahlhelfer zu spielen, vor allem, die die da rumnölen, es würde ja doch betrogen. Kleiner Gag am Rande: Während wir da Wählerstimmen mit Papier und Bleistift zählten, gab es wohl einen Internationalen Datencrash. Und das ist genau der Grund, warum ich bei Wahlen die Methode: 12 Augen, Papier und Stift bevorzuge.