Wein am Rhein

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Das Ende naht!

20,01€ – 13,39€ = ?

Öööhmm…

äääähhh…

6,60€ oder doch nicht?

Gestern auf dem Markt waren tatsächlich die Kartoffeln ausverkauft. Schuld daran ist der Klimawandel. Anscheinend hat die Ankündigung einer schlechten Kartoffelernte zu Panikkäufen auf dem Markt geführt.

Also bin ich abends nach dem Aikido noch kurz zu REWE gegangen, weil der am Hohenstaufenring und somit am Weg liegt.
Kartoffeln, die in ihren Plastikhüllen vor sich hin schwitzten, habe ich dann doch nicht gekauft, aber Joghurt, Käse, Aufstrich.

Jedenfalls betrug die Rechnung 13,39€ und ich reichte einen 20-€-Schein zur Kasse.
„Haben Sie vielleicht einen Cent?“ fragte das Kassenmädel. Ich reichte noch einen Cent nach und wunderte mich schon.

“ Dann bekommen Sie …Öööhmm…6,60€ zurück!“
Ich: „Nee, kann nicht stimmen“
Sie: „Doch, sie haben mir ja einen Cent gegeben, dann bekommen Sie 6,60“
Ich „Nein, rechnen Sie noch mal nach!“
Sie ruft eine Ältere Kollegin um Hilfe.
Die Kollegin wirft einen Blick auf die Abrechnung und behauptet dann: „Sie machen einen Denkfehler! Rechnen Sie noch mal nach! Sie haben zu den 13,39 einen Cent gegeben das sind dann 13,40. Das nennt man aufrunden! Und deshalb bekommen Sie jetzt 6,60 zurück!“

Der herbeigerufene Marktleiter bestätigt diese Ansicht.

„Ich habe ihnen 20,01 gegeben…“ Das stimmt nicht, Sie haben mir den Cent ja erst gegeben, nachdem ich das abgerechnet habe!“

Mittlerweile macht sich Unmut in der sich stauenden Schlange breit. Nicht etwa dem dreisten Personal, sondern mir gegenüber, die sich wegen eines Denkfehlers einen Kassenschlangenstau verursacht.

Ich raffe also meinen Kram zusammen, tippe nach dem Einpacken 20,01 – 13,39 in den Handy-Rechner und halte der Kassentrulla das Ergebnis vor die Nase:

20,01 – 13,39= 6,62

Die guckt sich das an und sagt: „Das ist falsch gerechnet!“
Der Marktleiter stürzt herbei und ich halte ihm ebenfalls den Taschenrechner vor die Nase.
„Um was geht es? Um EINEN Cent? Hier! Ich SCHENKE Ihnen 10 Cent und jetzt gehen Sie endlich.“

Nein, es ging nicht um die ZWEI Cent. Es ging darum, dass DREI Leute nicht in der Lage waren eine einfache Grundschul-Rechenaufgabe zu lösen und alle behaupteten ich hätte falsch gerechnet, einen Denkfehler gemacht.

Wie kann es sein, dass innerhalb weniger Generationen so simple Fähigkeiten wie Kopfrechnen einfach so verloren gegangen sind. Von Höflichkeit, einer  Entschuldigung, einen Fehler zugeben, will ich gar nicht erst anfangen. Wahrscheinlich ist an der zunehmenden Verblödung auch der Klimawandel schuld. Oder wenigstens dass „wir alle“ zu viel Fleisch essen.

Kartoffeln, Obst und Gemüse habe ich heute früh am Marktstand in der Lützerather Straße in Rath gekauft. Die Händlerin hat alles im Kopf ausgerechnet und passend zurückgegeben. Die Menschheit ist noch nicht verloren.

Regen

Heute früh weckte mich ein Geräusch: Regen! Nicht das angedrohte schwere Gewitter mit Starkregen, der das siel verstopft,  sondern einfach Regen, der auch noch so gerade herunter fiel, dass ich nicht mal die Fenster schließen musste.

War mal nötig, jetzt ist es schon wieder vorbei.

Der Flehbach ist schon lange ausgetrocknet und der Rhein hat niedrigwasser bei 27 Grad.

Was da sprudelt, liegt normalerweise tief unter der Wasseroberfläche. Einer der Bachläufe, der den Rhein nur noch durch den Kanal erreicht.

Und die Suche geht weiter :-(

Ich hatte hier so ein tolles Paar Kaufinteressenten.
Die wollten nur das Haus.
Die waren voller guter Pläne.
Die wollten nicht meinen Garten.
Die waren nett.
Die hätte ich auch gern als Nachbarn gehabt.
Alles perfekt!

Und jetzt können sie das Geld nicht aufbringen.

Alle Beteiligten sind am Boden zerstört.

Und e-Spanien schickt mir als Wort des Tages desesperado.

Steine in meinem Weg

Nach der Episode mit dem Schwiegervater war ich ja schon völlig entnervt.

Tatsächlich hat das Haus feuchte Kellerwände.
Die Sanierung/Dränage würde 8000€ kosten, die ich nicht habe.
Es gab aber Anfragen, ob ich es auch verkaufen würde.
Ja, gern! Das wären 102 + 604 qm Grundstück.
Aber. Ich liebe meinen Garten und die Vorstellung, da jetzt einen Zaun längs durch zu ziehen, erstmal auch ohne Sichtschutz, gefällt mir nicht.
Also dachte ich, es ist vielleicht möglich das kleine Haus mit dem Hof, als kleine geschlossene Einheit zu verkaufen.
Dazu müsste ich aber das Grundstück teilen und neu vermessen lassen.
Was wiederum Kosten verursacht, die ich mir vermutlich nicht leisten kann.
Außerdem kippt das Haus nach vorn aus der Flucht und engt den Gehweg ein. Das wiederum kann dazu führen, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht ausübt. Das verrät sie aber erst, wenn der Kaufvertrag schon fertig ist. Wie bekloppt ist das denn?
Außerdem fehlt die Baugenehmigung aus dem Jahr 1895. Zwei Weltkriege eben.

Tanzende Türme

Von Elphis Aussichtsplattform sieht man jetzt das:

Die tanzenden Türme waren mir auch noch nicht bekannt. Auch dort gibt es eine Aussichtsplattform, bzw. eine Lounge, ganz oben.

Auf dem Weg nach oben kann man eine beeindruckende Sammlung von Wolpertingern betrachten.

In der Lounge selbst auf Polstersesseln ruhen, einschläfernder Musik lauschen, so dass sich eine angenehme Schläfrigkeit einstellt und man willenlos noch ein getränk bestellt.
Und natürlich kann man auch nach unten auf den Hafen oder nach oben in den Himmel sehen.

Am Wochenende habe ich spontan entschieden, dass es für mich besser ist, das kleine Haus zu verkaufen. Längerfristig muss ich mich sowieso verkleinern. Da ist es sinnvoll, jetzt schon mal mit dieser kleinen, in sich abgeschlossenen Einheit anzufangen.

Mietersuche

Die Nachbarin, die mir voriges Jahr ihre Schwester andrehen wollte, stand in der Garagentür und wollte wissen, warum ich die nicht genommen habe.
Ja, es gab Gründe.

Tatsächlich, nachdem ich nun beide Seiten kenne, finde ich es sehr viel nervenaufreibender, Mieter zu suchen, als eine Wohnung zu suchen.

Aus Schnelsen: 45 qm 2ZiKDB, 980 DM konnte ich herauslesen:

  1. Ich kann mir das leisten
  2. Die Größe könnte passen
  3. Die Entfernung zum Hauptarbeitgeber ist ok

Bei der Besichtigung konnte ich dann feststellen:

  1. Ist mir die Wohnung sympathisch oder falle ich gleich rückwärts aus der Tür?
  2. Passen meine Möbel rein?

Und wenn das alles stimmte, habe ich nicht lange überlegt, und gleich Nägel mit Köpfen gemacht.

Als Vermieterin sortiere ich auf dem Immobilienportal:

  1. Können die sich das leisten?
  2. Passt die Personenzahl zum Schnitt der Wohnung?
  3. Gibt es ein persönliches Anschreiben?
  4. Bei der Besichtigung: Sind mir die Leute sympathisch oder falle ich gleich rückwärts aus der Tür?

Also eigentlich das gleiche, nur andersrum. Passt eine dieser Voraussetzungen nicht, außer dem persönlichen Anschreiben, wird das nichts mit der Wohnung.

Warum ist das nun nervenaufreibender?
Finanzschwache Mieter können mir auch finanziell das Rückgrat brechen. Da muss ich also aufpassen.
Die Mieter sollen möglichst zu mir und den anderen Mietern passen, um ein konfliktfreies Zusammenleben zu gewährleisten. Dazu möchte ich alle zukünftigen Bewohner kennen lernen, also auch Kind und Hund. Der liebe, brave Hund, der nicht zur Besichtigung mitgebracht wird, mag sich im Nachhinein als nervtötender Kläffer erweisen, oder gar verdoppeln. Das Kind, das bei der Besichtigung nicht zugegen ist, kann, wie bereits geschehen, im Nachhinein sein Veto einlegen oder sich als nicht erzogener Schreihals erweisen.
Wer mich kennt, bezeichnet mich gerne als Telefonmuffel. Wenn ständig das Telefon rappelt, bekomme ich nervöse Zuckungen.
Es gibt aber immer ganz schlaue Kandidaten, die das Internet-Portal umgehen und direkt anrufen. Meistens stimmt dann schon Voraussetzung 1 oder 2 oder beide nicht und ich muss mühsam erfragen, was ich im Internet auf einen Blick erfassen könnte. Manche lassen sich auch telefonisch nicht abwimmeln und ich mag auch nicht gerne abwimmeln.
Wer am Telefon sympathisch klang, konnte trotz Bedenken gucken kommen. Denen muss ich aber auch telefonisch wieder absagen.

Aber ich muss sagen, dass bei der diesjährigen Auswahl die meisten sehr nett waren und es gab andere Gründe auf Vermieter- oder Mieterseite, dass es nicht ganz passt. Es gab sogar tolle Gespräche mit Leuten, die es nun doch nicht geworden sind.

  • Die junge Tierärztin mit eigenem Kleintier-Zoo hätte ich wohl genommen, aber sie hat eingesehen, dass sie es sich (noch) nicht leisten kann.
  • Eine Frau rief gefühlt alle zwei Stunden an um zu fragen, ob die Wohnung noch frei ist.
  • Bei drei Hunden und acht Katzen, davon fünf Freigängern muss ich bei aller Tierliebe passen. Das würde den Rahmen von Haus und Garten sprengen.
  • Bei zwei Parteien knallte mir die Schufa ins Gesicht.
  • Zwei polnische Handwerkerbuben brachten als Verdienstnachweis zwei ganz frische Gewerbescheine und ein paar Angebote.
  • Eine sehr nette Frau mit sehr nettem Hund hatte Probleme mit meiner engen Treppe, ein anderes Paar mit dem Fluglärm.
  • Ein schwangeres Paar verließ fluchtartig das Haus, als bei Starkregen das Wasser immer höher stieg.
  • Bei einem Paar war sie enthusiastisch „Schön! Schöön! Schööön!“ und er eher teilnahmslos, bei einem anderen war es genau umgekehrt.
  • Einer wollte im Abstellraum ein Gästeklo einbauen. Ich aber nicht.
  • Nach der Sintflut am Dienstag hat es im Garten und Hof kleine Frösche und Kröten geregnet, was aus den folgenden Besichtigungen eine lustige Froschjagd machte und für eine lockere Atmosphäre sorgte. „Passen Sie auf, wo sie hintreten!“ „Oh wie süß!“

Ich selbst habe zu dem Haus kein neutrales Verhältnis und stellte fest, dass Dinge, bei denen ich grüne Pickel bekomme, von poteziellen Mietern mit ganz anderen Augen gesehen, kreativ, hilfreich und pragmatisch angegangen werden.

  • Mehrere mochten die Küche im Gelsenkircher Barock.
  • In zwei Türen hat der Vormieter große Löcher hinterlassen und mit irgendeiner Folie überklebt. Macht nichts, die kann man reparieren, erstmal so lassen oder neu beziehen.
  • An der Stelle, an denen das Laminat noch nicht fertig verlegt ist. Kam mehreren die Erkenntnis, dass abgeschliffene Holzbalken doch viel schöner sind. Finde ich auch!
  • Im Keller gibt es eine feuchte Stelle, muss ich unbedingt machen lassen, und ich stellte noch Vermutungen über die Ursache an.
    Die Reaktionen reichten von „Iiiiiek!“ über „Naja, ist halt’n Keller“, „Nicht so schlimm“ bis „Liegt da das Fallrohr hinter?“ „Hä?“ Die Dame war vom Fach. Nachgeschaut: Da liegt tatsächlich das Fallrohr hinter.  Ich bekam sogleich eine kostenlose Beratung: Entweder das Rohr ist verstopft oder gebrochen und was man da machen kann und sollte. Ich hätte sie knutschen können. Leider bekommt sie die Wohnung nicht, wegen der tierischen Überbelegung, aber immerhin einen Auftrag, vorausgesetzt, sie meldet sich noch mal. Rohrbruch zahlt auch die Versicherung und ich hatte auf Staunässe oder schlechte Lüftung getippt.

Und dann standen sie vor der Tür: Das schwangere Paar J. und T. mit Hund M.
„Ist der süß!“
„Wir haben überhaupt kein Auto.“ – „Toll, ich auch nicht, und dann können Sie sich ja auch die Wohnung leisten.“
„Vielleicht kann ich die Holzbalken abschleifen.“
„Hier würde ich am liebsten gleich einziehen!“– „Können Sie machen, aber ich lasse Ihnen doch besser etwas Vorlauf um sich einzurichten.“
„Wir machen hier nur so wenig Müll, wenn sie dann viele Windeln haben…“ (brauchen wir eine größere Tonne, wollte ich sagen) „Wir wollten sowieso Müll reduzieren und Stoffwindeln nehmen.“

Ich glaube, die sind gekommen um zu bleiben.

Dachte ich. Aber dann, als sie den Mietvertrag unterschreiben wollten, kam der Papa mit, schlich schweigend durch die Räume, knibbelte an den Türbalken, leuchtete mit der Taschenlampe in die Ecken, und fand schließlich die feuchte Wand im Keller. Behauptete, das wäre total verschimmelt und gesundheitsschädlich. Fazit: erstmal nicht unterschrieben, bis der Bausachverständige, den ich bestellt habe, da durch ist.

Ich habe einen Wasserschaden im Keller. Wenn ich Glück habe, ist es ein Rohrbruch im Fallrohr, dann zahlt die Versicherung. Wenn ich Pech habe, kommt er von den ständigen Überschwemmungen, weil das Regenwasser nicht vernünftig abläuft. Wer zahlt dann? Die Stadt?