Durch die Heide zu Burg Wissem

Burg Wissem in Troisdorf beherbergt eins der fünf Heideportale, außerdem ein Bilderbuchmuseum. Da wollte ich immer schon mal hin, kam aber aus den bekannten Gründen nicht dazu. Aber wo ist das genau und wie komme ich am besten hin?

Aber ich habe ja jetzt ein schönes, neues Spielzeug.

Also habe ich mich bei dem Schietwetter der letzten Woche hingesetzt und geplant: Mountainbike hin, Fahrrad zurück.

Endhaltestelle Königsforst -Burg Wissem

Der Plan: Endhaltestelle Königsforst – Burg Wissem.

So weit der Plan. Mountainbike eingestellt, nur einen „Waypoint“ bei Altenrath gesetzt, damit es auch wirklich durch die Heide geht, sieht ja ganz brauchbar aus.

Fängt aber schon mit einem Fehlstart an, als ich den Mauspfad hochfahren und dann links abbiegen soll, wo definitiv gesperrt gesperrt ist und kein „Single-Trail“.

Fehlstart

Du kommst hier nicht vorbei!

Ja, ich meine mich zu erinnern, dass dort einmal ein Trampelpfad war und nicht so eine fette Absperrung, aber die Heide hat sich so grundsätzlich verändert, seit dort kein Militärgebiet mehr ist, sondern Naturschutzgebiet, dass ich selbst manchmal Mühe habe, bekannte Stellen zuzuordnen.  Sichere Wege wurden neu geschaffen, andere stillgelegt.

Also zurück auf Anfang und eine bekannte Piste gefahren. Natürlich motzt das Navi, wie nur Navis motzen können: „Bitte wenden Sie JETZT!“

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Pionierbecken 3

Am Pionierbecken 3 bin ich wieder in der richtigen Spur und die Dame in der Hosentasche Merkt es auch.

Los geht’s erstmal immer geradeaus:

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Kalkweg

 

Schon bald zeigt sich: Nicht nur vor meinem Haus ist bei dem Unwetter was herunter gekommen. Eine kleine Auswahl:

Es ist unheimlich, denn noch gibt der Wald ein bedrohliches Knacken von sich. (auch ein Grund, mit Helm zu fahren 😉

Das waren also Sturmschäden. Aber kann mir mal jemand erklären, was auf dieser riesigen Fläche passiert ist? Wurden hier standortfremde Arten entfernt und dann maschinell entkusselt? Oder war der Kampfmittelräumdienst  im Einsatz mit freundlicher Nachbearbeitung durch Wildschweine? Für dieses Schlachtfeld finde ich keine sinnvolle Erklärung.

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Was soll das?

Obwohl es fast geradeaus geht, nun auf der November Brandschneise, bleibt es abwechslungsreich.

Erst Weidewirtschaft.

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Glanrinder im Geisterbusch

Dann Moor

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Feuchtgebiet

Gefolgt von sandiger Trockenheit mit Blick auf den Flughafen.

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Flughafen Köln-Bonn

 

Am Wegrand, von den Flughafenguckern unbeachtet, blühen Thymian und Hornklee um die Wette.

Auch unterwegs hieß es öfter mal: „Rechts Abbiegen auf Single-Trail“, wo überhaupt kein „Single Trail“ war. Die Wahner Heide ist Naturschutzgebiet und Ex-Militärgebiet. Es empfiehlt sich also nicht jedem Wildwechsel zu folgen, sondern brav auf den markierten Wegen zu bleiben. Einerseits damit man nicht alles kaputt trampelt, andererseits, weil noch Kampfstoffe im Boden liege. Auch wenn man das tut ist es eher anspruchsvoll. Mal Sand, mal Matsch, mal Schotter. Die Dame in der Hosentasche gebärdet sich jedenfalls zickig: „Die Tour wird korrigiert“, „Biegen sie JETZT rechts ab“ bis hin zu beleidigtem Schweigen.

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Hier kommst Du auch nicht vorbei!

Nachdem Sie mich so eine Weile angeschwiegen hat, obwohl ich rechts abgebogen bin, lande ich vor einer Leitplanke und die Dame behauptet: „Sie sind weit entfernt von der Tour, wollen sie trotzdem weiterfahren?“ Dabei befindet sich die Tour auf der anderen Straßenseite. Aber ich habe das ehemalige Camp Altenrath umfahren, das inzwischen völlig geschleift wurde. Der Weg existiert wohl nicht mehr.
Auf der anderen Straßenseite dann:

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Anzeige wurde erstattet.

Ich kann ja nicht verstehen, warum Leute Energie aufwenden, ihren Müll ins Auto zu laden und im Naturschutzgebiet wider auszuladen, wo man es doch kostenlos auf dem nächsten Recyclinghof abgeben kann und freundliche Mitarbeiter beim Ausladen helfen.

Burg Wissem gefahren

und die tatsächlich gefahrene Strecke.

Burg Wissem hat nicht nur das Heideportal und das Bilderbuchmuseum zu bieten, sondern auch Gastronomie, einen schönen Park

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mit Erfahrungsfeld der Sinne, Kinderspielplatz, Kunst

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Ok, da wäre ich jetzt so nicht drauf gekommen.

und Wildgehege.

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Rotwild

und vieles mehr.

So gestärkt machte ich mich auf den erheblich einfacheren Rückweg. Links der Plan, rechts die gefahrene Strecke.

 

Im Grunde genommen ereignislos, vorbei an den Militärruinen in Spich, durch ein kleines Wäldchen (biegen sie links ab! Nö!), vor eine Wand (fahren Sie bei der nächsten Möglichkeit geradeaus), bei meinem Vetter vorbei (nicht zu Hause), an der Rennbahn entlang zum Gut Leidenhausen.

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Gut Leidenhausen

Dort noch ein Malzbier und ab nach Hause.

Auf dem Rückweg bin ich auch dem Geheimnis der zickigen Dame auf die Spur gekommen. Sie ist einfach manchmal etwas langsam. Wenn sie den Befehl zum Abbiegen gibt, bin ich an der Stelle schon vorbei.

 

Ne kleine Runde

„Genug gekränkelt“, dachte ich mir, „ne kleine runde Radfahren im Königsforst kann wohl nicht schaden.“ Und „Och hier bin ich aber lange nicht mehr abgebogen.“

Was daraus wurde war eine ziemlich große Runde durch die Wahner Heide bis ins Bergische Land.

Über den Forsbacher Weg  rechts in den Rennweg, die Straße gekreuzt in die Heide.

Hier erstmal ein zauberhafter Blick auf das Pionierbecken 1:

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Stelle merken, wenn die Heide da unten blüht, ist es bestimmt noch zauberhafter.Becken1

Pionierbecken heißen die ehemaligen Kiesgruben, weil die Wahner Heide ja Militärgebiet war und die Pioniere dort geübt haben.

Weiter ging es auf teils schotterigen, teils sandigen Wegen in den Geisterbusch, wo die Ziegen fleißig das Gelände frei halten.ziegen1

Die vegane Alternative zu Ziegen wäre entweder mit der Hacke oder maschinell entkusseln. Wobei beim maschinellen Entkusseln sämtliche Kleinlebewesen bis hin zur Eidechse gleich mit geschreddert werden. Also keine Alternative zur Ziege.

ziegenWeil es ja eine kleine Runde werden sollte, hatte ich keine Karte mit, kein Fernglas, als Kamera nur das Handy und blöderweise kein Wasser. Auf den offenen Heideflächen knallt die Sonne ganz schön.
Die Beschilderung ist aber durchaus brauchbar. Das letzte Stück führte über Asphalt nach Altenrath, dort gab es einen Getränkehandel. Außerdem hatte ich hier die magische Grenze zum bergischen Land überschritten und gleich gegenüber gab es eine Kindheitserinnerung:

WaffelDie Bergische Waffel ist größer als die normale Haushaltswaffel und wird traditionell mit Sahne und Kirschen angerichtet. Vanilleeis ist optional.
(Exkurs 70er Jahre: Die Pferde gesattelt, zur Forsbacher Mühle geritten, Waffeln gegessen, kalte Cola drauf gekippt und ohne zu kotzen im Galopp zurück.)

Nun hätte ich nach Troisdorf  und dann am Rhein entlang zurück fahren können, aber das schien mir etwas weit. Ich entschied mich also über Rösrath zurück zu fahren. Mache ich nicht nochmal. Irgendwie war die Wegeführung seltsam, führte einmal um Rösrath herum, dann ins Zentrum und über einen Berg, Jedenfalls war ich froh, als ich aus Rösrath wieder raus war und an der Bahn entlang zurück fahren konnte.

Noch ein letzter Blick auf Pionierbecken drei und ab nach Hause. Becken 3-2

Ab nächste Woche darf ich wieder Sport machen.

Zum Geisterbusch

Ganz anders als der Königsforst – obwohl sie zum selben Naturraum gehört – ist die Wahner Heide. Denn sie war nie Wirtschaftswald, sondern wurde militärisch genutzt, zuletzt von belgischen Truppen. Nur an den Wochenenden durfte das Gelände betreten werden. Als Jugendliche waren wir oft mit den Pferden dort. Seitdem die Belgier abgezogen sind, steht die Wahner Heide unter Naturschutz und manche Stellen habe ich kaum wieder erkannt.

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Pionierübungsbecken 3, ehemalige Kiesgrube.

Von Rath kommend, geht es zunächst am Pionierübungsbecken 3  vorbei.  Das dritte und kleinste Becken ist mit Wasser gefüllt. Die anderen beiden sind trocken.

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Robinie

Hier blühen jetzt die Robinien, auch Scheinakazien genannt. Ursprünglich gehören sie nicht in die Landschaft der rheinischen Mittelterrasse, sondern wurden angepflanzt. Robinien blühen spät geben eine gute Bienenweide ab.

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alte Eiche

In diesem bewaldeten Teil der Wahner Heide wachsen viele alte Eichen. Doch ich habe das Gelände viel offener in Erinnerung und von Schützengräben durchzogen. Mittlerweile ist es stark verbuscht und die breiten Panzerschneisen, auf denen wir so manches Pferderennen veranstaltet haben, sind verschwunden.

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links Wald, rechts Hudewald

Weiter geht es zum Geisterbusch. Lange vor der militärischen Nutzung wurde die Wahner Heide als Hudewald genutzt. Deswegen stehen hier auch die vielen alten Eichen. Sie dienten dazu, im Herbst das Vieh zu mästen. Um eine weitere Verbuschung zu verhindern und das Gelände offen zu halten, wird dieser Teil der Wahner Heide wieder beweidet.

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Rinder im Hudewald

Hier sind es Glanrinder. Diese alte, genügsame Rinderrasse ist vom Aussterben bedroht.

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Glanrinder

Die Ziegen, Schafe und Esel habe ich nicht angetroffen. Hier noch ein paar Impressionen aus dem Geisterbusch.

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DSC_2928Es gibt noch viel mehr zu entdecken in der Wahner Heide. Zum Beispiel offene Heideflächen, die ich wegen des einsetzenden Schietwetters aber nicht mehr fotografiert habe.

Wenn Sie Interesse an einer naturkundlichen Führung haben, kontaktieren Sie mich gern.

Leidenhausen

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Gut Leidenhausen

In bequemer Fahrradentfernung zu meiner Wohnung, genau genommen in Eil, am Rand der Wahner Heide, liegt das Gut Leidenhausen.

Das ehemalige Rittergut wurde erstmals im Jahre 1329 erwähnt. Die Gebäude, die jetzt an diesem Ort stehen, stammen allerdings aus dem 18. und 19, Jahrhundert.

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Hereinspaziert, hier gibt es viel zu sehn…

Seit den 60er Jahren befindet sich das Gut in städtischem Besitz und hat sich seitdem zu einem Umwelt- und Freizeitzentrum entwickelt.

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Wappen am Herrenhaus.

Momentan wird ein Teil der Gebäude renoviert. Ein Portal zur Wahner Heide soll hier entstehen. Wegen einer Veranstaltung im Innenhof konnte ich auch die alten Gebäude nicht richtig fotografieren. Aber was gibt es dort alles?

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Baumstamm am Eingang zum Waldmuseum.

Im Innenhof befindet sich das Waldmuseum. Zu sehen gibt es eine kleine Ausstellung mit versteinerten Baumstämmen, Erklärungen zu den ökologischen Zusammenhängen des Waldes, Dioramen mit verschiedenen Lebensgemeinschaften, Beispiele zur Dendrochronologie und vieles mehr.

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Apfelbäume im Obstmuseum

Im Obstmuseum gibt es viele alte Obstsorten zu bewundern.

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Streuobstwiese im Obstmuseum.

Apfelbaum

Die Äpfel fangen gerade an zu blühen

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Im Obstmuseum

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freundliche Bewohner

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Bin ich nicht ein hübscher Esel?

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lecker Gras!

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Grabstätte

Geht man außen rum, an diesem Grab vorbei, dann kommt man zur Greifvogel-Schutzstation.

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Mäusebussard

Hier werden verletzte Greifvögel und Eulen wieder aufgepäppelt und anschließend wieder ausgewildert.

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Steinkauz

Und nicht nur Greifvögel, sondern auch Rabenvögel.

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Eichelhäher

Es gibt auch ein paar Dauergäste, die in der freien Wildbahn keine Überlebenschance mehr hätten.

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Galopprennbahn

Im Außenbereich gibt es noch eine Trainingsbahn für Rennpferde, ein Wildgehege und einen Naturspielplatz für die Kleinen.

Anfahrt: Bus 152 bis Eil, Heumarer Straße , von dort zu Fuß durch den Wildpark.